Quedlinburg (Blumenstadt in Sachsen-Anhalt)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
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letzte Änderung am 29.05.2023

Die Stadt Quedlinburg ist heute eines der größten Flächendenkmale Deutschlands. Die atemberaubende mittelalterliche Stadt hat die Jahrhunderte überdauert. Ein Besuch dieser Stadt ist wie eine wunderbare Reise in ein Freilichtmuseum deutscher Handwerkskunst, wie sie vor allem während des Zweiten Weltkriegs, aber auch in den vergangenheitsfeindlichen Jahrzehnten danach verlorengegangen ist. Die Stadt ist klimatisch gesehen eine der niederschlagsärmsten und erlangte als Königspfalz bereits im 10. Jahrhundert Bedeutung. Hier residierte Heinrich der Erste, Deutschlands erster Kaiser. Schneiderei und Handel brachten Quedlinburg im Mittelalter einen ersten wirtschaftlichen Aufschwung. Seit dem 18. Jahrhundert etablierte sich die Stadt an der Bode schrittweise als bedeutender Ort für die Zucht von Saatgut und Pflanzen. 1834 bekam Quedlinburg eine Zuckerfabrik. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz beförderte den Aufschwung. Hochwässer warfen die Stadt immer wieder zurück. Seit den 1920er Jahren verfügte Quedlinburg sogar über einen eigenen Flughafen. In Quedlinburg etablierten sich später Metallbau und Chemie. Die Saatzucht ist indes bis heute (2019) eine Konstante geblieben.

Alte Werbewand der Kunstanstalt für Glasmalerei Ferdinand Müller

Kunstanstalt Ferdinand Mueller in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Kunstanstalt Ferdinand Mueller in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012

"Glas=Malerei | Kunst u. Messing Verglasung | Schleiferei | Ferd. Müller" stand noch im Dezember 2012 an einer großen Giebelwand am Rambergweg in Quedlinburg. Die Aufschrift erinnert an die Kunstanstalt für Glasmalerei Ferdinand Müller. Ferdinand Müller (1848-1916) war Glaser. 1876 begann er sein erstes Geschäft, eine Kunst- und Bauglaserei. Weniger Jahre später nahm er die Glasmalerei ins Programm, mit der er sein Unternehmen schon bald zu einer der größten deutschen Werkstätten ausbauen konnte. Vor allem zahlreiche evangelische Kirchen stattete er mit bunten Fenstergläsern aus Müller brachte es auch zum Titel "Hoflieferant" und versorgte internationale Kunden unter anderem in Russland, Schweden, Nordamerika, Südafrika, Indien und Indonesien. Das beachtliche Auftragsvolumen zwang zum Ausbau der Produktionsstätte. Gebaut wurde am Gernröder Weg 3. Im Glaslager waren bald 1000 verschiedene Sorten und Farben zu finden. 1904 hatte das Unternehmen 76 Angestellte. Sohn Walther Müller führte die Glaserei nach dem Tod des Vaters bis 1965 weiter. Dann verkaufte er seine Firma an die Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle an der Saale. Zu den erhaltenen Werken der Glaserei Müller gehört das Wappenfenster im Rathaus zu Quedlinburg. Im Jahr 2000 kam das Objekt am Müllers Nachkommen. Die sanierten es schrittweise. Im September 2011 präsentierten sie das herausgeputzte Juwel bei einem Tag des offenen Denkmals der Öffentlichkeit und erlebten einen ungeahnten Andrang.

Wiki über Müllers Glaserei

Gebrüder Dippe AG (gegr. 1850, seit 1915 Aktiengesellschaft)

Gebrueder Dippe AG Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Moorhof der Gebrueder Dippe, Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

Die Gebrüder Dippe entwickelten den kleinen elterlichen Gartenbau- und Samenhandelsbetrieb zu einem Pflanzenzüchtungsbetrieb mit Weltruf. Zum Zeitpunkt des Todes von Gustav Adolf Dippe hatte das Unternehmen 2000 Beschäftigte, bewirtschaftete 2500 Hektar Land, verfügte über einen großen Viehbestand, riesige Speicher und Gerät. 1945 verlegte die Dippe AG ihre Geschäfte nach Herford in Westdeutschland. Reste des Agrar-Imperiums sind erhalten geblieben und stehen unter Denkmalschutz. Bekannt ist das geschützte Areal als Moorhof. Zum Objekt gehören Speicher, Verwalterhaus, Arbeiterwohnhaus sowie Maschinen- und Kesselgebäude. Zu DDR-Zeiten bewirtschaftete der Betrieb Volkseigenes Gut (VEG) August Bebel das Objekt. 1991 endete diese Wirtschaftsgeschichte.

VEB Farb-Chemie Quedlinburg, ehemals Wilhelm Brauns Anilin-Farben-Fabriken (Leninstraße 12, heute Harzweg 12)

Wilhelm Brauns Anilin-Farben-Fabriken, Foto: Martin Schramme, 2012 Wilhelm Brauns Anilin-Farben-Fabriken, Foto: Martin Schramme, 2012 Wilhelm Brauns Anilin-Farben-Fabriken, Foto: Martin Schramme, 2012 Wilhelm Brauns Anilin-Farben-Fabriken, Foto: Martin Schramme, 2012 Wilhelm Brauns Anilin-Farben-Fabriken, Foto: Martin Schramme, 2012

Der VEB Farb-Chemie in der Leninstraße 12 direkt an der Bode stellte in den späteren DDR-Jahren Klebstoffe und Kitte her (Quelle: Messekatalog 1979). Von dort kam aber Citocol Haushaltsfarbstoff. Das waren Farbtabletten, um zum Beispiel Baumwolle, Dederon, Leinen, Polyamid, Seide oder Viskose zu färben. Nach dem Ende der DDR 1990 bekam der Alteigentümer (Wilbra Chemie) das Objekt zurück. Anfang 2004 war mit der Chemie an dem Standort endgültig Schluss. Auf dem 13.000 Quadratmeter großen Grundstück wurden seither wiederholt Brände gelegt, gleich mehrere waren es im Jahr 2010. Im Dezember 2012 kündete noch ein Schild von den einstigen Aktivitäten der Wilbra-Chemie GmbH: Berliner Holzkaltleim, Kaschierklebstoffe, Klebstoffe für Bauindustrie und Heimwerker, Verpackungs- und Papierklebstoffe, Montage- und Flächenleime für Holzwerkstoffe.

Vorgeschichte: Der Apotheker Wilhelm Brauns aus Brome bei Gifhorn nahm 1874 die Herstellung von Stofffarben auf. Die Farben werden ein Renner. Brauns zieht nach Quedlinburg um und baut dort mit Josef Weller eine Anilinfarben-Fabrik auf. Vor dem Ersten Weltkrieg noch erweitert Brauns das Sortiment auf Farben für Leder, Bohnerwachs, Kerzen und Seifen sowie Nahrungs- und Genussmittel. Mittel zum imprägnieren, Flecken entfernen und Entfärben kommen in den 1920er Jahren hinzu. Ab 1959 läuft der Betrieb in der DDR mit staatlicher Beteiligung weiter bis zur vollständigen Verstaatlichung 1972 und produziert unter anderem Holzbeize. Der Betrieb ist nun zunehmend als Klebemittelhersteller gefordert. Die Teilung Deutschlands hat das Unternehmen indes bewogen, bereits 1946 auch in München eine Wilbra-Chemie aufzubauen, die schon 1952 nach Bad Aibling umzieht. 1969 fusioniert Brauns mit seinem Konkurrenten Heitmann. Das neue Unternehmen bringt 1977 die ersten kochechten Textilfarben der Welt heraus. Seit 1993 ist der Firmensitz in Warburg.

Am Lehofsweg am Rande der Stadt befand sich ein ehemaliges Werksgelände, von dem massive Boden- und Grundwasserbelastungen ausgingen, wie im Jahr 2000 festgestellt wurde. Auf den Fotos zu sehen ist hingegen Werk I am Harzweg.

Brauns-Nachfolger
weitere Fotos

Alte Gasolin-Tankstelle in Quedlinburg

Leuna-Tankstelle in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020 Leuna-Tankstelle in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020 Leuna-Tankstelle in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020 Leuna-Tankstelle in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020 Leuna-Tankstelle in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020 Leuna-Tankstelle in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020

In Quedlinburg existierte noch im Herbst 2020 eine Tankstelle der Deutschen Gasolin Aktiengesellschaft, freilich außer Betrieb. An der Zapfsäule war das Logo des deutschen Chemie-Industrie-Verbundes I.G. Farben zu sehen. Die Aufschrift "Leuna" zeigte, aus welcher Stadt bzw. Fabrik die Gasolin einst das synthetische Benzin bezog. Mit dem Verkauf von deutschem Benzin hob sich das Unternehmen von der Konkurrenz ab, bei der es sich im britische und amerikanische Mineralölgesellschaften handelte. Das deutsche Benzin wurde aus Braunkohle hydriert, also nicht aus Erdöl gewonnen, was Deutschland in Hinblick auf diesen Treibstoff vom Ausland unabhängig machte.

Maschinen- und Armaturenfabrik Steinle & Hartung (gegr. 1877)

Maschinenfabrik in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Maschinenfabrik in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Maschinenfabrik in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Maschinenfabrik in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Maschinenfabrik in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Maschinenfabrik in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Maschinenfabrik in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012

Im Jahr 2012 entstanden diese Fotos von der ehemaligen Maschinen- und Armaturenfabrik Steinle & Hartung. Das Objekt stand leer und verfiel, stand aber unter Denkmalschutz. Man baute unter anderem Dampfpumpen, Druckregler, Pyrometer und diverse Thermometer. Später kamen Manometer dazu. Beim Ausbau der Fabrik kamen eine eigene Gießerei und eine Modelltischlerei dazu. Die Firmeninhaber machten verschiedene Patente, darunter für ein Ventil, das bei Rohrbruch selbststädig schloss. In den 1930er Jahren rettete sich das in eine Krise geratene Unternehmen durch Umstellung auf Pneumatik- und Elektrikprodukte. Auch diese Fabrik wurde während des Zweiten Weltkrieges Zulieferer der Rüstungsindustrie und beschäftigte Kriegsgefangene. 1946 wandelte man die Fabrik in eine Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG). 1950 übernahm die DDR die Regie und führte den Betrieb erst als VEB Meßgerätwerk Quedlinburg, dann als VEB Mertik weiter. In den Jahren 1953 bis 1964 kamen diverse Neubauten hinzu. Die vollständige Modernisierung der alten Anlagen aus dem Ersten Weltkrieg war indes erst 1972 abgeschlossen. Die umfangreiche Produktion umfasste vor allem Erzeugnisse der Fahrzeug- und Kühltechnik. Indes ging der Ausbau auch in den 70er und 80er Jahren weiter. Markantester Neubau war ein Hochhaus, das 1978 übergeben werden konnte. Auf 3500 Werktätige wuchs der sozialistische Betrieb. Nach dem Ende der DDR fiel das Objekt in die Hände der Treuhandgesellschaft, die Mertik Ende 1991 zu liquidieren trachtete. Doch zwei Jahre lang rang ein Unternehmen aus den USA um den Kauf. Das Nachfolgeunternehmen, das auch 2023 noch aktiv war, hieß Maxitrol und hatte seinen deutschen Sitz in Thale. Bis auf das Gebäude mit dem turmartigen Rundbau wurden inzwischen alle Altindustriebauten am Kloppstockweg in Quedlinburg abgerissen. Das Hochhaus aus DDR-Zeiten steht noch.

Breuer-Wasserkran am Bahnhof Quedlinburg

Wasserkran in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Wasserkran in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012

Dieser Wasserkran, der einst dem Betanken von Dampflokomotiven mit Wasser diente, ist ein Produkt der Firma H. Breuer & Co. aus Hoechst am Main. Wasserkräne gab es in sehr unterschiedlichen Bauarten. Sie wurden in der Regel von Wassertürmen gespeist und ihr Arm zum Tanken über die Lokomotive geschwenkt. Die Armaturenfabrik H. Breuer & Co. in Hoechst wurde 1872 gegründet und 1896 mit der Deutschen Wasserwerks-Gesellschaft in eine AG umgewandelt. 1969 übernahm der Rüstungskonzern Kraus-Maffei die Breuerwerke.

Saatgutbetrieb (?)

Saatgutbetrieb in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Saatgutbetrieb in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Saatgutbetrieb in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Saatgutbetrieb in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Saatgutbetrieb in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Saatgutbetrieb in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Saatgutbetrieb in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Saatgutbetrieb in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Saatgutbetrieb in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012

Wer weiß mehr über diesen Betrieb? Bitte hier melden!

Eisenbahn in Quedlinburg

Eisenbahn in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Eisenbahn in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Eisenbahn in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012

1862 bekam Quedlinburg einen Bahnhof. Über die Hauptstrecke Magdeburg-Thale und die Nebenlinie Frose-Ballenstedt-Quedlinburg wurde Quedlinburg ins deutschen Eisenbahnnetzt eingebunden. Es gab einst noch vier weitere Bahnhöfe bzw. Haltepunkte, von denen nur noch der Halt in Quarmbeck existiert. Bis in das Jahr 1923 reicht die Geschichte der Waggonfabrik Quedlinburg zurück, die bis 1993 bestand.

Ehemaliges Elektrizitätswerk (Baujahr 1902)

Ehemaliges Elektrizitaetswerk in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012

Im Südosten der Stadt Quedlinburg entstand 1902 ein Elektrizitätswerk nach den Plänen des Stadtbaurates Max Voss. Anfangs stellte man Gleichstrom her, doch 1914 ging man zum Wechselstrom über, weil sich das Wechselstromkonzept des genialen Erfinders Nikola Tesla, der daran seit 1887 arbeitete, international durchsetzte. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Johannisstift im Stadtteil Süderstadt

Johannisstift in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Johannisstift in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Johannisstift in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012 Johannisstift in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2012

An Heinrichstraße und Stresemannstraße befindet sich ein interessantes Viertel samt zweier Kirchen - das Johannisstift. Die heutigen Gebäude in der attraktiven Kombination aus Backstein und Fachwerk stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Gründungsgeschichte des Stifts soll indes bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen.

Möbelhandel

Moebelhandel Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020 Moebelhandel Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020 Moebelhandel Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020 Moebelhandel Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020 Moebelhandel Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020

Das Vordach dieses Hauses stammt möglicherweise aus der Vorkriegszeit. Wie das Logo, das allerdings auch dem Stil früher DDR-Jahre entspräche. Wer weiß mehr über dieses Haus? Bitte hier mit den historischen Fakten melden!

Altes Kaufhaus

Kaufhaus Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020 Kaufhaus Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020 Kaufhaus Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020

Wer weiß mehr über dieses Kaufhaus unweit des Quedlinburger Rathauses? Bitte hier mit den historischen Fakten melden!

Altes Gewerbe

altes Gewerbe in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020 altes Gewerbe in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020 altes Gewerbe in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020 altes Gewerbe in Quedlinburg, Foto: Martin Schramme, 2020

Wer weiß mehr über dieses alte Gewerbe in Quedlinburg? Bitte hier melden!

Morgenrot

VEG (B) Tierproduktion Ballenstedt Sitz Morgenrot

Tierproduktion Ballenstedt Sitz Morgenrot, Foto: Martin Schramme, 2012 Tierproduktion Ballenstedt Sitz Morgenrot, Foto: Martin Schramme, 2012

Zu DDR-Zeiten befand sich in Morgenrot eine Schweinemastanlage, eine Ballenstedt zugeordnete VEG Tierproduktion. Jetzt befindet sich dort ein Rohstoffverwerter.

Rieder (seit 2011 Ortsteil von Quedlinburg)

Gasthof zum schwarzen Ross

Gasthof zum schwarzen Ross, Foto: Martin Schramme, 2012 Gasthof zum schwarzen Ross, Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012 Foto: Martin Schramme, 2012

November 2012: Der ehemalige Gasthof zum schwarzen Ross in Rieder (Harz) steht leer und verfällt. Eine Wasserpumpe HP 90L Baujahr 1966 von den Magdeburger Armaturenwerke (MAW) befindet sich direkt am Gebäude. HP 90 L steht für Handpumpe mit einem Kolbendurchmesser von 90 Millimeter.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Bekleidung Quedlinburg
VEB Betonerzeugnisse Quedlinburg
VEB Buch- und Offsetdruck Quedlinburg
VEB Denkmalpflege Halle Sitz Quedlinburg
VEB Diagrammdruck Quedlinburg
VEB Dienstleistungsbetrieb Quedlinburg (VEB Kombinat Hauswirtschaftliche Dienstleistungen Halle)
VEB Drahtverarbeitungswerk Quedlinburg
VEB Elektroakustik Quedlinburg
VEB Farbchemie Quedlinburg (VEB Kombinat Chemie und Plastverarbeitung Halle)
VEB Fotostudio Quedlinburg
VEB Grünanlagenbau Ostharz Quedlinburg (VEB Straßen-, Brücken- und Tiefbaukombinat Halle)
VEB Harzer Likörfabrik und Weinkelterei Quedlinburg (VEB Getränkekombinat Dessau)
VEB Harzer Schmuck Quedlinburg (VEB Harzer Schmuck- und Metallwaren, Produkte: u.a. Figürchen für Modelleisenbahner)
VEB Industriewerk Quedlinburg
Institut für Züchtungsforschung Quedlinburg (Akademie der Landwirtschaftswissenschaften)
VEB Kartonagen Quedlinburg (VEB Kombinat Chemie und Plastverarbeitung Halle)
VEB Käserei Quedlinburg
VEB Kfz-Instandsetzung Barkas Quedlinburg
VEB Kfz-Instandsetzung Robur Quedlinburg
VEB Kreisbaubetrieb Quedlinburg
VEB Kreisbetrieb für Landtechnik Quedlinburg (VEB Kombinat für landtechnische Instandhaltung Halle)
VEB Lebensmittelkombinat Quedlinburg
VEB Mechanische Werkstätten Quedlinburg (VEB Kombinat Feinmechanische Werke Halle)
VEB Mertik Quedlinburg (VEB Kombinat Elektroapparate Werk Berlin-Treptow)
VEB Meßgerätewerk Quedlinburg
VEB Metall Quedlinburg / VEB Metallwaren Quedlinburg (VEB Kombinat Metallwaren Dessau)
VEB Metallveredlung Quedlinburg (VEB Kombinat Feinmechanische Werke Halle)
VEB Metaplast Quedlinburg (VEB Kombinat Chemie und Plastverarbeitung Halle, Produkte: u.a. Gesellschaftsspiele wie Triado)
VEB Möbelwerk Quedlinburg (VEB Möbelkombinat Berlin)
VEB Modeschmuck Quedlinburg
VEG Pflanzenzüchtung Betrieb Quedlinburg
VEB Kombinat Pflanzenzüchtung und Saatgutwirtschaft Quedlinburg
VEB Organisations- und Rechenzentrum der VVB Saat- und Pflanzgut Quedlinburg
VEB Philopharm Quedlinburg (VEB Pharmazeutisches Kombinat GERMED Dresden)
VEB Planen- und Sackfabrik Quedlinburg
VEB Polygraphischer Betrieb Quedlinburg
VEB Projektierung des VVB Saat- und Pflanzgut Quedlinburg
VEB Projektierung und Bauleitung der Stadt Quedlinburg
VEB Quedlinburger Polstermöbel
VEB Saat- und Pflanzgut Quedlinburg (VEB Kombinat Pflanzenzüchtung und Saatgutwirtschaft)
VEB Saxonia Quedlinburg, Trockenpflanzenhaus Saxonia (VEB Kombinat Holz- und Kulturwaren Naumburg)
VEB Schiffsdieselzubehör Quedlinburg
VEB Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb Quedlinburg (VEB Kombinat Fleischwirtschaft Halle)
VEB Schlachtbetrieb Quedlinburg
VEB Thermometerbau Quedlinburg
VEB Trockenpflanzenhaus Saxonia Quedlinburg (VEB Kombinat Holz- und Kulturwaren Naumburg)
VEB Union Quedlinburg (VEB Kombinat Haushaltsgeräte Karl-Marx-Stadt, unter anderem Schnellkochtöpfe und Fruchtensafter wurden produziert)
VEB Verpackungsmittel Quedlinburg
VEB Walzengießerei Quedlinburg
VEB Wärmetechnik Quedlinburg
VEB WTZ der Saatgutwirtschaft Quedlinburg
VEB Ziegelwerk Quedlinburg
VEG Pflanzenzüchtung Betrieb Quedlinburg

Wirtschaft und Leben in Quedlinburg vor 1945
Anna Willecke, Spezial-Korsetthaus, Pölkenstr. 28 (Unterwäsche, Strümpfe)
Autohaus H. Baehr (Reparaturwerkstatt mit Waschanlage und Hebebühne, Garargen und Tankstelle, Hanomag, Hansa-Lloyd, Standard-Lieferwagen, Zündapp und Viktoria)
Buchdruckerei Geßler & Strauß
C. A. Herrmann Kaffee-Groß-Rösterei (gegr. 1835, Großhandlung für Drogen, Farben, Kolonialwaren, Landes-Erzeugnisse, Seifen und natürliche Mineralwässer)
Carl Beck & Comp. Samenbau und Samengroßhandlung Quedlinburg am Harz (Spezialität: Rübensamen, Zucker- und Futterrübensamen, Gemüse- und Blumensamen, Versand nach allen Ländern)
C. R. Brinkmann Seifen-Fabrik
David Sachs Samenzüchterei Quedlinburg (Gemüse- und Blumensamen, Futter- und Zuckerrübensamen)
Dempewolf & Co., Harzweg 4
Deutsche Ziegeleien AG Quedlinburg
Eisengiesserei und Maschinenbau-Anstalt Rudolph Leder (seit 1865, Maschinen aller Art und Gussteile jeder Art)
Emil Bodewei Dampf-Vulkanisier-Anstalt
Emil Soedel Nährmittel-Fabrik und -Großhandlung (Hercynia = feinstes Backpulver, Ersatz für Hefe und Hirschhornsalz)
Ernst Lange Spezialfabrik in Reinigung- und Sortiermaschinen für Landwirtschaft und Samenzucht, sowie Drill- und Hackmaschinen (gegr. 1866, Samenkörnungsmaschinen)
F. A. Rabe, Wäsche, Modewaren, Damen- und Herren-Konfektion (gegr. 1835, Maßanfertigung von Herren- und Damen-Garderobe)
Försterling & Hellmund Gewürz-Fabrikation
Friedrich Morich, Spezialhaus für Fleischereibedarf, eigene Herstellung von Gewürzpräparaten
Friedrich Roemer Samenzüchterei und Samenhandlung (Große Spezial-Kulturen)
Fritz Ay, Kolonialwaren, Feinkost, Kaffee, Schokoladen, Konfitüren
Fritz & Strube Dampfkornbranntweinbrennerei und Likörfabrik (gegr. 1880)
Gebr. Arndt Metallwarenfabrik, Quedlinburg (gegr. 1870, u.a. Produktion der Wunderpfanne Wunderpfanne "Tischlein deck Dich")
Gebrüder Dippe AG (gegr. 1915)
Gebrüder Kohlmann Nachfolger (gegr. 1749, Eisenwaren, Werkzeuge, Baubeschläge, Haus- und Küchengeräte, Luxuswaren, Rundfunk-Geräte)
Gebrüder Teupel Quedlinburg, Gartenbaubetrieb (Jungpflanzen-Anzucht, Spezialität: Deutsche Edel-Pelargonien, Blattbegonien, groß- und kleinblumige Chrysanthemen, Hortensien)
Gesellschaft für Karpfenhandel mbH Dresden, Filiale: Quedlinburg/Harz
Geßler & Strauß Diagramm-Fachanstalt (seit 1889)
G. Wesche Obstwein-Kelterei, Fruchtschaumwein-Fabrik
Harmonika-Schiebetür-Fabrik Otto Gereke (Patent auf die Harmonika-Schiebetür und die Saaltrennungswand "Hercynia")
Hartmann & Söhne
Heinrich Kracht Kolonialwaren, Delikatessen, Konserven
Heinrich Nickel Anfertigung feiner Herren-Garderobe, Weberstr. 49
Heinrich Steinisch Schuhwaren, Heiligegeiststr. 5
Kunstanstalt für Glasmalerei Ferdinand Müller
Leinenhaus M. Reissner Wäsche-Fabrik (gegr. 1817, Braut-Ausstattungen, Teppiche, Betten, Steppdecken- und Gardinen-Fabrikation, mechanische Planen-, Säcke- und Decken-Fabrik)
Louis Friedrich Strube, Weinessig- und Essigfabrik, Fruchtsaft-Presserei und -Siederei (gegr. 1850)
Louis Tiebe jun. Lederhandlung und Stepp-Anstalt
Martin Gashoff Samenhandlung und -züchterei, Kunst- und Handelsgärtnerei (ältestes Haus in der Branche, gegr. 1771 von Johann Andreas Grashoff, Grashoff Elitesamen)
Maschinenbau-Anstalt Karl Wolf
Maschinen- und Armaturenfabrik Steinle & Hartung (gegr. 1877, Start mit Bau von Armaturen und Messgeräten für Dampfmaschinen und Dampfkessel)
Maschinen- und Armaturen-Fabrik von Zabel & Comp. (Fabrik und Lager sämmtlicher Armaturen für Dampfmaschinen und Kessel)
Metallwarenfabrik Union Quedlinburg (gegr. 1879, vormals F.R. Dennert & Co.)
Metallwaren Gebr. Arndt (gegr. 1870, Wunderpfanne "Tischlein deck dich", Kaffeeservice)
Metallwerk Terna Berlin Wilhelm Sauerbrey GmbH, Klopstockweg 47/49
M. Reissner Leinen-Handlung & Wäsche-Fabrik (empfiehlt sein reich sortirtes Lager aller Arten gebleicht Leinen, Hausleinen, Drelle, Inletts, Bettzeuge, Tischzeuge, Handtücher, Taschentücher, Hemdentuche, Chiffons, Shirtings, Piques, Barchende, Nessel, Schürzenzeuge)
Oscar Blancke Innungs-Ober-Büchsenmachermeister, Hohestr. 1 (Büchsenmacherei, Waffen- und Munitions-Handlung, Reparaturen in eigener Werkstätte)
Palmensaal ("angenehmes Verkehrslokal" laut Adressbuch 1930/31)
Pape & Bergmann GmbH, Spezialhaus für feine Gartensamen und Blumenzwiebeln (gegr. 1889)
Papierwarenfabrik Gustav Fasshauer, Quedlinburg, Hindenburgstr. 8 (gegr. 1863, Packpapiere, Kartonnagen, Tüten, Beutel, Drucksachen; Papierverarbeitungswerk, Buch- und Akzidenzdruckerei, Kartonnagen-Fabrik, Packpapier-Großhandlung)
Paul Kutschke Vertretungen und Großhandlung in Posamenten und Textil-Kurzwaren (Spezialität: Knöpfe)
Pianofortefabrik Otto Sasse
Quedlinburger Chausseebau-Gesellschaft (gegr. 1842)
Quedlinburger Glas- und Porzellan-Halle, Marktstr. 11 (Magazin für Haus- und Küchen-Einrichtungen, ständige Spielwaren-Ausstellung, großes Lager in Gartenmöbeln, Wagen aller Art, Fleischerei-Geräten, Aluminium sowie emaillierten Kochgeschirren, 1a Qualität, J.A. Henckels Stahlwaren, Lampen und Luxuswaren)
Quedlinburger Kreisblatt (gegr. 1873, ältestes und verbreitetstes Blatt in Stadt und Kreis Quedlinburg)
Quedlinburger Tageblatt
Raven & Zabel Me├činstrumentefabrik (gegr. Anfang der 1870er Jahre)
Renken & Knigge Kolonialwaren, Landesprodukte, Kaffee-Rösterei
Samenhandlung, Kunst und Handelsgärtnerei Heinrich Mette (seit 1792)
Sattler & Bethke AG (Großgärtnerei und Samenzucht)
Schlossbrennerei, Likörfabrik Carl Schuhardt
Schlossmühle Quedlinburg
Seifen-Fabrik C.R. Brinkmann Quedlinburg (gegr. 1857, C.R. Brinkmann Seifenfabrik und Oelhandlung, Oel- und Fetthandlung en gros, Specialitäten: Rüboel, Mohnoel, Schmalz, Margarine)
Selmar Kulp Thermometer- und Glasinstrumenten-Fabrik
Städtischer Milchhof (Milch, Quark, Butter und Sahne)
Steinle & Hartung Maschinen- und Armaturen-Fabrik (Specialität: Graphit-Thermometer und Pyrometer)
Tuch- und Wollwarenfabrik Finkenstedt & Sauer
Wehrenpfennig Großgärtnerei und Samenzucht
Wilhelm Brauns KG, Anilinfarben-Fabriken (gegr. 1874, Wilhelm Brauns GmbH, giftfreie Farben, Fabrikate: u.a. Blusenfarbe, Azofarben, Nigrosine, Farbstoffe für die Oel- und Fettindustrie, giftfreie Farben für Nahrungs- und Genußmittel, Seifenfarben, Holzbeizen, Moos- und Gräserfarben, Tintenpulver, Werke in Quedlinburg und Reichenberg in Böhmen, Lager in Hamburg; Filialen und Tochtergesellschaften in Berlin, Amsterdam, Cilli, Warschau, Wien und Zürich)
Wilhelm Heine Manufaktur und Leinenwaren-Handlung (gegr. 1884)
W. Kruschitzky, Emaillewaren en gros
W. Schneemelcher Kunst- und Bauglaserei, Bilderrahmenfabrik, Kunsthandlung, Marktstr. 5/6 (gegr. 1886, Glashandlung, Einrahmung von Bildern, Fensterputzinstitut)
Wurst- und Fleischwarenfabrik C. Schmidt (seit 1867)
Zuckerfabrik (Vereinigte Landwirte in Quedlinburg seit 1857)
Zuckerfabrik G. Chr. Hanewald

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894
Ehemalige Stifts- und Hansestadt, an der Bode, der Linie Magdeburg-Thale und der Nebenlinie Frose-Ballenstedt-Quedlinburg der Preußischen Staatsbahnen. Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung. Die Stadt besitzt eine sehr ausgedehnte Feldmark, und Acker- und Gartenbau bilden den Haupterwerbszweig. Wichtig ist der Samenbau, der neben dem von Erfurt den ersten Rang in Deutschland einnimmt, daneben Fabrikation von Tuch, Stärkezucker, Anilinfarben und Drahtwaren. Der Handel mit Vieh, zumal auf dem Viehmarkte im Oktober, ist erheblich.

Begriffslegende
Nessel = Tuch aus Brennnesseln
Pyrometer = Strahlungsthermometer, kontaktlose Temperaturmessung bis plus 3000 Grad Celsius.

Quellen
albert-gieseler.de
khv-quedlinburg.de
picclick.de
sietz.de

 

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