Halle Saale II (Sachsen-Anhalt)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
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letzte Änderung am 15.11.2021

Die Region Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt war einst - neben dem Ruhrgebiet - die Industrieregion des Deutschen Reiches. Wegen der vergleichsweise langsamen Modernisierung der Anlagen und der niedrigen Reinvestitionsquote sowie der im internationalen Maßstab mittelmäßigen Arbeitsproduktivität in der DDR (1949-1990) blieben die Großbetriebe oft inklusive ihrer technischen Anlagen aus den 1920er und 1930er Jahren bis 1990 erhalten. Der massive Umbruch seit der Angliederung der DDR an die Bundesrepublik Deutschland hat aus verschiedenen Gründen die massenhafte Stilllegung dieser DDR-Wirtschaftsbetriebe bewirkt. So sind die Industriebrachen zahlreich. Wie Zeugnisse aus einer anderen Zeit stehen sie herum und verfallen und noch immer sind die Bestände beachtlich, wenn man bedenkt, dass viele Anlagen bereits abgerissen wurden (Stand: 03.2010). Neben vielen traurigen Beispielen gibt es hier und da aber auch Hoffnung und Vereine und Initiativen, die die Rettung alter Bauwerke vorantreiben. Doch es ist noch viel zu tun, vor allem in Zeitz.

Siehe auch Halle Saale I und Halle Saale III

Hermann Bernstein Kartoffel- und Futterhandel Trotha (gegr. 1890)

Hermann Bernstein Kartoffel- und Futterhandel Trotha, Foto: Martin Schramme, 2020 Foto: Martin Schramme, 2020 Foto: Martin Schramme, 2020 Foto: Martin Schramme, 2020 Foto: Martin Schramme, 2020

Hermann Bernstein Speise-Pflanzkartoffeln gegr. 1890 steht an einem alten Gehöft in Halle-Trotha. Es ist ein historischer Ort, der von Künstlerinnen mit Geschichtsbewusstsein vor dem Verfall gerettet wurde. Die Künstlerinnen-Gemeinschaft "kunstrichtungtrotha" hat sich seit 2002 auf dem ehemaligen Gelände des Kartoffel- und Futterhandels entwickelt.

Spirituosenfabrik Albert Ernst KG Halle (gegr. 1872, Raffineriestr. 29-31)

Spirituosenfabrik Halle, Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: pappel pictures, 2017 Foto: pappel pictures, 2017

Mai 2017: Von der einst stolzen Spiritus-Raffinerie sind nach Jahren des Leerstandes nur Ruinen geblieben.

Kaffeemittelfabrik Heinrich Franck Söhne (Kaffee-Zu-und Ersatzfabrik, Raffineriestraße 28a)

Die baulichen Reste des halleschen Ablegers des Kaffeemittel-Imperiums Heinrich Franck Söhne war 2017 der Handwerkerhof Halle. Das Objekt verfällt seit Jahrzehnten. Rückblende: Heinrich Franck ließ sich 1822 in Vaihingen als Kolonialwarenhändler und Zuckerbäcker nieder und begann nebenbei mit Versuchen zur Herstellung von Zichorienkaffee. Sechs Jahre später startete er die industrielle Herstellung von Kaffee-Ersatz. 1868 zog das bereits immens gewachsene Unternehmen wegen der Eisenbahnanbindung nach Ludwigsburg und breitete sich mit seinen Cichorien-Kaffee-Fabriken und deren Fabrikaten von dort in alle Welt aus, unter anderem nach Linz (Österreich-Ungarn), Zagreb (Kroatien), Bukarest (Rumänien), Mailand (Italien) und Flushing (USA). Die Firma Franck kaufte schließlich etliche andere Hersteller auf, darunter die Firma "Bethge & Jordan, Magdeburg" und wurde von der GmbH zur Aktiengesellschaft (AG). Zu den Fabrikaten gehörten unter anderem der Aecht Franck-Caffee, der homöopathische Gesundheits-Caffee nach Dr. Katsch, und Mühlen-Franck, die Kaffee-Würze. Das Unternehmen warb schließlich mit 15 Fabriken und 38 Medaillen und schrieb: "Aecht Franck in Kistchen und Packeten erfunden von Heinrich Franck Söhne Ludwigsburg ist durch seine unerreichte Ausgiebigkeit an Farbe, Kraft und Aroma der billigsten und vortheilhafteste Caffee-Zusatz. Nur seiner Qualität wegen wird er so allgemein in ganz Europa und anderen Welttheilen verwendet. Gar vielfachen Nachbildungen unterliegen unsere Packungen und bitten wir darum beim Einkauf genau auf unsere Schutzmaarke und Unterschrift zu achten." Laut Hersteller lebte es sich mit Kornfranck gut. Er war demnach gesund wie das tägliche Brot und ein Paket mit Vorrat für 100 Tassen kostete 25 Pfennige. In der NS-Zeit war das Werk der Heinrich Franck Söhne (Kaffee-Zu-und Ersatzfabrik) in Halle an der Saale ein staatlich anerkannter Musterbetrieb dess Deutschen Reiches. Dem judenfeindlichen Regime schien des Unternehmen als Vorbild geeignet, dabei hatte 1869 noch Juden für die Vorzüglichkeit der Ware geworben und deren Bezug ihren Bluts- und Glaubensbrüdern ausdrücklich empfohlen. Ab 1944 fusioniert Franck zur "Franck und Kathreiner GmbH" mit Sitz in Wien. 1954 brachte Franck das neue Kaffeemittel "Caro" auf den Markt. 1964 folgte die Reorganisation unter dem Namen Unifranck. Nestle kaufte das Unternehmen dann 1971.

Portland-Cement-Fabrik: Brücke zum alten Kalksteinbruch (Abriss 2019)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Die Brücke war bis zum Abriss im Herbst 2019 Teil der ehemaligen Seilbahn zwischen einem Kalksteinbruch und der 1891 gegründeten Portland-Cement-Fabrik Halle. Der Kalkstein kam von zwei Standorten: vom Bruchsee (unweit des Neustadt Centrums in Halle-Neustadt) und vom Steinbruchsee (an der Bundesstraße 80). 700 Meter lang war die Seilbahn. Hinzu kam ein eigener Anschluss an die Halle-Hettstedter Eisenbahn. 1910 ging Portland mit der Mitteldeutschen Braunkohlenindustrie zusammen zur Portland-Zementwerke "Saale" AG. Seit 1912 konnte die Fabrik mehr als 100.000 Tonnen pro Jahr produzieren. 50 Meter hohe Schornsteine waren weithin zu sehen. Nach dem Krieg überführten der Staat die Zementfabrik in Volkseigentum. Sie firmierte fortan als VEB Zementwerk Halle (Saale). 1963 erfolgte die Eingliederung in das Zementwerk Karsdorf. Zehn Jahre lang lieferte der Betrieb in Halle noch die zementhungrige Akkordbaustelle Halle-Neustadt. 1973 schlug die letzte Stunde. Die Produktionsstätten und insbesondere die Schornsteine wurden abgerissen. Die immense Luftverschmutzung konnte man der jungen Neustadt nicht mehr zumuten.

Portland Zement ist bis heute ein Begriff, denn dieser Zementtyp is weltweit am weitesten verbreitet. Den Siegeszug trat dieser Baustoff in England an. Der Name kommt von der Isle of Portland im Gebiet Dorset in Südengland. Obgleich etliche Männer mit Zementmischungen experimentierten, gilt William Aspdin (1815-1864) als Erfinder des modernen Portland-Zements. Beim Mischen seines Zements mit Wasser entstand ein Kunststein, der Aspdin an den Kalkstein auf der Insel Portland erinnerte. 1853 reiste Aspdin nach Deutschland, wo er als Zementmischer gefragt war. Zu der Zeit hatten die Deutschen bereits in Buxtehude damit begonnen, ihren eigenen Portlandzement zu mischen. Doch erst 1878 führte das Land Preußen eine Norm für Portlandzement ein. 1888 ließ sich ein Deutscher den ersten Spannbeton der Welt patentieren. 1903 sicherte sich erneut ein Deutscher das Patent für transportfähigen Beton.

ein Bild der Zementfabrik und kurzer Infotext auf der Seite des Nietlebener Heimatvereins

Gastwirtschaft, Station und Gartenbaubetrieb Rosengarten (erbaut 1897)

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2016 Repro: Archiv

Bei dem Objekt handelt es sich um die einstige Gastwirtschaft Rosengarten, ein Ensemble mit Jugendstil-Elementen und ein ehemaliges Stationsgebäude der Halle-Kasseler-Eisenbahn. Der Ausschnitt einer Landkarte von 1925 zeigt die Bebauung am Rosengarten (siehe Foto). Demnach befanden sich etwas westlich ein Exerzierplatz und östlich die Braunkohlengrube von der Heydt. Im Adressbuch von 1920 war dieser Ort als B. Möllers Gastwirtschaft "Zum Rosengarten" und Gärtnerei eingetragen. In der Nachbarschaft befand sich eine Baumschule, die im Adressbuch von 1928 unter der Halleschen Straße 98 in Ammendorf verzeichnet war. Der Besitzer war demnach ein B. Huber. Im Halleschen Adressbuch von 1941 war das Objekt unter Ammendorf, Hallesche Straße 102 als Parkrestaurant "Rosengarten" zu finden. Später wurde das Objekt zur Merseburger Straße 300. Das Vorderhaus mit "Turm" an der Straßenecke war Kinderkrippe, das große Gebäude dahinter war Kindergarten. Die Nutzung erfolgte wahrscheinlich bis Mitte der 1990er Jahre. Dann begann der Verfall. Verschiedene Aufschriften waren noch 2015 am Objekt sichtbar: "Hier Haupteingang zum Gartenbau | Spezialkultur: Rosen | hochstamm. u. niedr. Rosen | Obststräucher | Gastwirtschaft | Paul Ziegler | Station Rosengarten". Ein Gastwirt Paul Ziegler war im Halleschen Adressbuch von 1946/47 in der Beesener Straße 232a verzeichnet. Ende August 2016 kam es zum Mauerbruch im Anbau auf der Westseite des Gebäudeensembles und zum Einbruch fast der kompletten Dachkonstruktion. Es folgte der Abriss dieses Teils des Gebäudekomplexes. Zuvor war das Objekt mehrfach versteigert worden.

DDR-Slogan für Frieden und Freiheit im Hafen Trotha

Slogan aus der DDR-Zeit in Halle-Trotha, Foto: Martin Schramme, 2021 Slogan aus der DDR-Zeit in Halle-Trotha, Foto: Martin Schramme, 2021 Slogan aus der DDR-Zeit in Halle-Trotha, Foto: Martin Schramme, 2021 Slogan aus der DDR-Zeit in Halle-Trotha, Foto: Martin Schramme, 2021 Slogan aus der DDR-Zeit in Halle-Trotha, Foto: Martin Schramme, 2021

Es ist immer wieder erstaunlich, wenn alte Aufschriften Jahrzehnte überdauern und als Zeitzeugen trotz Wind, Wetter und Bilderstürmerei Zeugnisse bleiben von einer Zeit, die lange her ist und inzwischen ganz anders erzählt wird. Allerdings muss man schon sehr genau hinschauen, um diese Zeugen noch zu entdecken und die mitunter in Fraktur verfassten, teilweise verblichenen Aufschriften zu entschlüsseln oder überhaupt erst zu entdecken. Manchmal helfen erst Regen oder eine bestimmte Stellung der Sonne nach, ein verborgenes Stück Geschichte zu entdecken.

In Halle-Trotha an einem alten Getreidespeicher am Hafen hat eine solche Aufschrift noch Anfang 2021 von den 1950er Jahren in der DDR erzählt. Damals war die sozialistische, deutsche Republik noch jung und die Erinnerung an den furchtbaren Weltbrand (1939-1945) noch frisch. Zu den Slogans jener Jahre des Aufbaus gehörte eben auch dieser: "Unsere ganze Kraft für ein Leben in Frieden und Freiheit". Später änderte sich die Programmatik der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) in alle Kraft für Frieden und Sozialismus. In der Grundschule begann später jeder Tag mit dem Gruß des Lehrers: "Für Frieden und Sozialismus: Seid bereit!" Und die Jungen Pioniere (so hieß die Organisation der Grundschulkinder) antworteten: "Immer bereit!" Die Freiheit wurde also durch den Sozialismus ersetzt. Das ist bemerkenswert, weil die CDU im Jahr der Kapitulation und Angliederung der DDR an die Bundesrepublik Deutschland ihre Wahl im Osten mit dem Slogan bestritt "Freiheit statt Sozialismus". Da wurde sprachlich und schließlich auch realpolitisch etwas rückgängig gemacht.

Kohlenhandel

Kohlenhandlung in Halle Saale, Foto: Martin Schramme, 2021 Kohlenhandlung in Halle Saale, Foto: Martin Schramme, 2021

Die historische Schrift "Paul Fuchs, Kohlen, Koks, Holz, Steinkohlen" war auch im Herbst 2021 noch gut erhalten. Wer weiß mehr über dieses Objekt? Bitte schreiben Sie hier, was Sie über das Objekt und seine Geschichte wissen.

Stromhaus | Umspannstation | Trafo (1925/26)

Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Das Umspannwerk am Stadtpaark in Halle ging 1925/26 aus einem Entwurf des Architekten Wilhelm Jost hervor. Einst beherbergte der Klinkerbau auch die Wohnung des Schaltmeisters und eine Bedürfnisanstalt (Toilette).

Gully-Deckel in Halle

Foto: Martin Schramme, 2014

Gully-Deckel von F. Zimmermann & Co. Halle (S) von 1882. Interessant ist, dass ein Gully-Deckel in Halle den Namen einer Firma trägt, die Sämaschinen herstellte und ein Pionier auf dem Gebiet war. Unter dem Markennamen "Hallensis" machte sich die Aktiengesellschaft aus Halle weltweit einen Namen und verkaufte Zehntausende Sämaschinen und andere Ackergeräte. 1894 wurde aus der Kommandit- eine Aktiengesellschaft mit Niederlassungen in Berlin, Breslau, Nürnberg und Schneidemühl (damals Posen, heute Polen).

NS-Winterhilfswerk Glaucha (wegsaniert)

NS-Winterhilfswerk Glaucha, Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

"N.S.Volkswohlfahrt - WINTER-HILFS-WERK - Gau-Geschäftsstelle Halle-Glaucha" steht an dieser Ziegelwand. Anfang der 1990er Jahre war diese Aufschrift aus NS-Zeiten noch sichtbar. Die NSV war für Gesundheit, Vorsorge und Betreuung Bedürftiger zuständig und diente zugleich der Festigung der Volksgemeinschaft und Rassenhygiene. Das WHW entstand nach der Weltwirtschaftskrise 1929 als Hilfsorganisation für Bedürftige. Im NS-Regime veranstaltete das WHW unter anderem Geld-, Kleider- und Spinnstoffsammlungen.

Steinmühle am Mühlgraben

Steinmuehle am Muehlgraben in Halle Saale, Foto: Martin Schramme, April, 2012 Foto: Martin Schramme, April, 2012 Foto: Martin Schramme, April, 2012

"A. Wetzig Wittenberg Bez. Halle" steht um Schieber des Wassergrabens vor der Steinmühle. Bekanntlich gab es den Bezirk Halle seit 1952 in der DDR. Doch auf einem Prospekt der Firma Wetzig von 1936 taucht die Abkürzung Bez. für Bezirk bereits auf. Damals war das Unternehmen als Eisengießerei, Maschinenfabrik und Mühlenbauanstalt etabliert. Bezirksstrukturen hatten damals die Post und die NSDAP. Zu NS-Zeiten beteiligte sich Wetzig an der Rüstungsproduktion und stempelte seine Fabrikate mit dem Tarnkürzel aof.

Gaststätte Piratennest - Schiff Angersdorfer Teiche (abgebrannt)

Foto: Martin Schramme, April, 2012 Foto: Martin Schramme, April, 2012 Foto: Martin Schramme, April, 2012 Foto: Martin Schramme, April, 2012

Das "Piratennest" war ein beliebtes Ausflugsziel an den Angersdorfer Teichen, seit 1978 als öffentliches Bad hergerichtet sind. Die Gaststätte bestand auch aus einem auf Land gelegtem Schiff, in dem sich gut speisen ließ. Doch fand die Gemütlichkeit im Februar 2010 ein jähes Ende. Inhaber Ingo F., der auf dem Grundstück allein lebte, blieb in einem Versorgungsschacht stecken und starb. Tage später wurde er tot gefunden. Es folgten Leerstand und Verfall. Nur noch ein trauriges Gerippe ist das Schiff, seit es Anfang März 2011 völlig ausbrannte. Im Bild dokumentiert ist der Zustand des Schiffes vom April 2012.

Lackfabrik Halle (Teilabriss und Sanierung)

Foto: Martin Schramme, 04.2008 Foto: Martin Schramme, 04.2008 Foto: Archiv Luftbild von der Lackfabrik / Im Hintergrund ist die Malzfabrik zu erkennen.

Im Adressbuch von 1941 erwähnt als C.W. Pabst Mineralölimport und Chemische Fabrik / Farbenfabrik (Privatstr. Zimmermann 2), Inhaber F. und H. Wittschiebe, begründet 1862.
Neuer Eigentümer seit 2007 war die Novatic-Gruppe. Am 22. Mai 2012 feierte das Unternehmen 150 Jahre Lackfabrikation in Halle. Ende August 2019 erwarb das US-amerikanische Unternehmen Sherwin-Williams die Novatic.

Halleschen Maschinenfabrik und Eisengießerei AG (HME, 1993 als Mafa geschlossen, später Teilabriss und Sanierung)

Maschinenfabrik Halle, Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Historisches Foto der Maschinenfabrik aus DDR-Zeiten. Damals wurden dort unter
anderem Kälteanlagen für den Rennrodelsport gebaut.
Qulle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Hallesche_Maschinenfabrik.jpg

1872 ist das Gründungsjahr der Halleschen Maschinenfabrik und Eisengießerei AG (kurz: HME). Vorläufer der Mafa war die 1866 gegründete Maschinenfabrik Riedel & Kemnitz. 1886 begann die Produktion von Eis- und Kältemaschinen, die nach dem Absorptionsprinzip auf Ammoniakbasis arbeiteten. Sechs Jahre später bauten die Hallenser dann ihre "Halmagis"-Maschinen, deren Grundlage das Kompressionsprinzip war. Brauereien, Molkereien, Margarinefabriken und Schlachthöfe, kurz quasi alle Industriezweige, die was zu kühlen oder zu frieren hatten, setzten auf die Maschinen aus Halle, wozu neben der HME auch das Maschinenbau-Unternehmen Wegelin & Hübner beitrug. HME war bis 1945 eines der führenden Kältetechnik-Unternehmen im Deutschen Reich. Noch kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges am 31. März und am 6. April 1945 trafen dann jedoch Bomben das weitläufige Fabrikgelände und hinterließen massive Schäden.

Nachdem die Sowjetunion im Sommer 1945 die Kontrolle über Halle (Saale) von den US-Amerikanern übernommen hatte, leitete die Sowjetische Militäradministration die Enteignung und Verstaatlichung der AG ein und legten sie mit der ebenso enteigneten Wegelin & Hübner Maschinenfabrik und Eisengießerei AG zum VEB Maschinenfabrik Halle (Mafa) zusammen. Im Zuge der staatlich gelenkten Konzentrationsprozesse in der DDR erlebte die Mafa immer neue Zuordnungen in größere Wirtschaftsstrukturen: 1948 zur NAGEMA in Dresden, 1962 zur VVB Chemie- und Klimaanlagen Berlin, 1965 zur VVB Luft- und Kältetechnik Dresden, 1970 zum VEB Kombinat Luft- und Kältetechnik Dresden. Die Mafa belieferte die halbe Welt mit ihren Maschinen. Die Technik kam auch in Fang- und Verarbeitungsschiffe und kühlte Eis- und Rodelbahnen. Zwischenzeitlich waren 2400 Werktätige im Betrieb.

Im Juli 1990 meldete sich die Mafa als ILKA Maschinenfabrik Halle GmbH im Kapitalismus zurück. Doch der Ostmarkt war zusammengebrochen und ein neuer Wettbewerber nicht willkommen. 1991 und 1992 experimentierte die Treuhandgesellschaft, die Totengräberin vieler DDR-Betriebe, mit der Bildung einer Kältetechnik-AG, die der ehemaligen Kombinatsstruktur ähnelte, um die Betriebsteile der AG dann doch wieder als eigenständige GmbHs weiterzuführen. Im Herbst 1993 gingen in Halle die Lampen aus, nur der Betriebsteil in Döllnitz (Saalekreis) wurde fortgeführt. Er bestand noch 2021 nach diversen Veränderungen als GEA Refrigeration Germany GmbH.

Foto-Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Hallesche_Maschinenfabrik.jpg
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Ofen- und Tonwarenfabrik Carl Böhme, gegr. 1764 (Harz)

Foto: Martin Schramme

Verwittert, aber noch lesbar ist die Aufschrift "Ofenfabrik Carl Böhme". Sie geht zurück auf ein altes hallesches Traditionsunternehmen, das im Adressbuch der keramischen Industrie in den Jahren 1893, 1899, 1906 und 1907 zu finden ist. Im Adressbuch von 1893 sind auf Seite 228 unter anderem folgende Eintragungen zu finden: "Böhme, Carl, Ofen- und Thonwaarenfabrik, Fabrikat: Weisse und farbige Schmelzöfen, farbige Relief- und Begussöfen, Chamotte-Platten und -Steine, Rauchröhren u. Blumentöpfe. - ca. 30 Arbeiter. - Dampfbetrieb. - Wurde prämiirt in Halle 1879 mit goldener Medaille und 1881 mit Staatsmedaille. - Besteht seit 1764."

Großgarage Süd (1927-29 errichtet, bis 2011 durch den Bauverein saniert)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Repro

Die 1927 bis 1929 errichtete Großgarage Süd in Halle (Saale) ist eine der ersten in Deutschland errichteten Hochgaragen und eines der letzten, nahezu unverändert erhaltenen technischen Gebäude dieser Art. Sie wurde nach dem Vorbild US-amerikanischer Parkhäuser jener Zeit errichtet. Der Bauunternehmer Walter Tutenberg ließ die Garage im Süden der Stadt errichten und vermarktete sie dann als Inhaber. Technologisch handelt es sich um eine Aufzugsgarage (im Unterschied zur Rampengarage). Sie bot Platz für 150 Fahrzeuge und verfügt über vier Parkebenen. Das Betriebskonzept war auf ergänzende Serviceleistungen ausgelegt und umfasste Reparatur-, Wasch-, Kurier- und Lotsendienstleistungen sowie eine Tankstelle. Im Innern des Gebäudes besteht ein Lichthof, der für die notwendige Belichtung sorgt. Die Großgarage steht unter Denkmalschutz. Ihre Sanierung begann 2009. Anstelle des Aufzuges wurde eine Spiralauffahrt für die Zufahrt zu den Parkebenen angebaut. 2011 wurden die Sanierungs- und Neubauarbeiten abgeschlossen. Eigentümer ist eine hallesche Wohnungsgenossenschaft. Quelle: wikipedia.de

Cröllwitzer Actien Papierfabrik Halle (gegr. 1714)

Repro: Martin Schramme
Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Aufschrift am Betonsockel: Betonbau von Thormann, Schneller & Co Augsburg
Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2019 Foto: Martin Schramme, 2019 Foto: Martin Schramme, 2019 Foto: Martin Schramme, 2019 Foto: Martin Schramme, 2019 Foto: Martin Schramme, 2019

Die alte Papiermühle an der Saale in Halle-Kröllwitz war im Früjahr 2010 bereits stark zerstört und wegen Einsturzgefahr allgemein gesperrt. Die Stadtwerke Halle planten dort ein Wasserkraftwerk. An welchem historischen Ort das passieren soll, ist an zwei Schriftzüge am Mauersims noch gut zu erkennen: "Cröllwitzer Actien Papierfabrik 1882" und "Betonbau von Thormann, Schneller & Co Augsburg".
Die AG wurde 1871 gegründet. Hervorgegangen war sie aus einer 1714 von Zacharias Kermes aus Trotha gegründeten Papierfabrik. 1725 ging die Fabrik in den Besitz der Franckeschen Stiftungen über, den Pachtbetrieb hatte die Familie Keferstein von 1718-1871. Zur Sicherung ihres Kohlenbezuges erwarb die Gesellschaft 1922 sämtliche Kuxe der Gewerkschaft Ferdinando bei Sennewitz. Einer Anzeige der Jubiläumsschrift der Zeitung "Hallische Nachrichten" vom 21. März 1939 zufolge produzierte die Papierfabrik je 14.000 Jahrestonnen Papier und Zellstoff. In der DDR (1949-1990) fanden die Fabrikgebäude eine andere Verwendung. Hinweise auf die Nutzung waren noch Anfang 2017 zu sehen in Form von Werbetafeln, die als Grundstücksbegrenzer am Fahrweg standen: VEB Orbitaplast und "Plaste & und Elaste aus Schkopau" (Werbung des VEB Chemische Werke Buna).

Seit 2009 saniert wurde der alte Papierspeicher neben der Fabrik. Eigentümer ist die Prof. Schuh Gruppe.
Von den Gebäuden der ehemaligen Papierfabrik sind nur noch fünf erhalten: das Turbinenhaus, das ehemalige Speichergebäude und das ehemalige Verwaltungsgebäude am Saaleufer sowie zwei ehemalige Produktionsgebäude am Hang des Ochsenberges. Die drei am Saaleufer gelegenen Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Zur Nutzung der ehemaligen Mühlengebäude gab es in der Vergangenheit bereits verschiedene Konzepte (Diplomarbeit Jörg Schwulst, Arbeit Ralph Nitsche, Diplomarbeit Reinhard Simmgen, Diplomarbeit Therese Olivier). Der Verein zur Förderung der regenerativen Stromerzeugung für Halle stellt diese Arbeiten auf seiner Internetseite vor.

2016 war das Objekt in der Hand der Firma Schuh, die bereits das benachbarte Speichergebäude saniert hatte. Der Plan: Loft-Wohnungen und ein Wasserkraftwerk (zusammen mit den Stadtwerke-Tochter EVH). Kosten: 14 Millionen Euro. Anfang 2017 waren Abbruch- und Entkernungsarbeiten im Gange, im Juli 2019 waren die Bauarbeiten weit fortgeschritten und Wohnungen für bis zu 775.000 Euro im Angebot. Zum Wasserkraftwerk lagen keine konkreten Pläne vor. 2020 wohnten betuchte Hallenser in den Nobelwohnungen. Das Turbinenhaus verfiel indessen weiter.

Infos zur Familie Keferstein

Posthalterei

Foto: Martin Schramme

Posthaltereien waren oft Privatunternehmen, die anfangs Pferde, später dann auch Kutschen der Post für den Transport ihrer Sendungen zur Verfügung stellten.

Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) "Ernst Thälmann" Halle (Saale)

Reichbahnausbesserungswerk, Foto: esmero.de, 2020 Reichbahnausbesserungswerk, Foto: esmero.de, 2020 Reichbahnausbesserungswerk, Foto: esmero.de, 2020 Reichbahnausbesserungswerk, Foto: esmero.de, 2020 Reichbahnausbesserungswerk, Foto: esmero.de, 2020 Reichbahnausbesserungswerk, Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Das 2010 wahrscheinlich größte leerstehende historische Industrieareal in Halle Saale war das Reichsbahnausbesserungswerk (RAW). Die riesigen Fabrikhallen waren das reinste Industriemuseum. Die älteste Maschine war genau 100 Jahre alt (Baujahr 1910). Weiter waren Anlagen aus den 30er, 40er, 50er, 60er und 70er Jahren vorhanden. Unvorstellbar, dass dort bis Anfang der 1990er Jahre gearbeitet wurde. Bis 2012 verfiel das Objekt weiter. Die Immobiliengesellschaft der Deutschen Bahn AG ließ etliche Metallteile entfernen. Außerdem lief seit Jahren eine automatische Grundwasserüberwachung und -sanierung auf dem von Betriebsstoffen eines Bahnreparaturbetriebs verseuchten Gelände.

noch ein paar schöne HDR-Bilder vom RAW
Ein Video erinnert an das RAW.
noch ein Video erinnert an das RAW

Schlachthof Halle (errichtet 1891-1893 und 1932-1939, stillgelegt 1993,
zuletzt VEB Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb Halle und Fleischwaren Halle GmbH)

Schlachthof Halle, Foto: Martin Schramme, 2010 Foto: Martin Schramme, 2010 Foto: Martin Schramme, 2010 Foto: Martin Schramme, 2010 Foto: Martin Schramme, 2010

VEB Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb (SVB) Halle (Saale), VEB Kombinat Fleischwirtschaft des Bezirkes Halle mit Betrieben in Halle, Dessau, Quedlinburg und Weißenfels stand seit Mitte der 1990er Jahre leer und verfiel durch Leerstand und anhaltenden Vandalismus und diverse Brandstiftungen. Eine Bürgerinitiative scheiterte mit dem Vorhaben, den Schlachthof zu einer Stadt in der Stadt für alternatives Wohnen zu machen. 2018/2019 kam das Objekt in den Hand des Immobilienunternehmens W&R aus Weimar, das ankündigte, ein Einkaufszentrum mit kulturellen und sozialen Einrichtungen errichten zu wollen. Auch Wohnungen und eine Kita sollten entstehen.

Die Energieeinsparung wurde durch die Stadtbezirksleitung der SED mit Sitz in der Leninallee rigoros durchgesetzt. Im Schreiben vom 31. Mai 1988 informiert die Stadtbezirksleitung über "eingeleitete Maßnahmen zur Energieeinsparung", um den "kontingentgerechten Bezug" zu gewährleisten: Die Brigade Maschinenhaus überwacht täglich als Verbräuche. Nicht registrierte oder geprüfte Elektrogeräte wurden entfernt. Die Reduzierung der Beleuchtung wurde geprüft. Die Spitzenzeiten für den Energiebezug werden sichtbar gemacht. Während der Spitzenzeiten wird der Energieverbrauch ständig erfasst. In den Pausen werden das Licht in den Produktionshallen und die Maschinen abzuschalten. Der Elektroenergiebedarf in den Spitzenzeiten wird abgesenkt.

1977 plante der VEB Zentrales Projektierungsbüro Nahrungsgüterwirtschaft (ZPN) Berlin, in den Jahren 1979 bis 1981 die Kühlung des Schlachtbetriebes in Halle zu rekonstruieren. Die Schlachtkapazität wurde mit 1050 Schweinen, bis zu 220 Rindern und 70 Kleintieren pro Schicht und Tag angegeben. In der Kühlung sollte Platz für die anderthalbfache Tagesschlachtung sein. Für den Export waren maximal 66 Tonnen Schwein pro Woche vorgesehen. Als betroffene Gebäude wurden Durchgangshalle, Vorkühlhalle, Umkleideraum, Maschinenhaus und Eisfabrik erwähnt.

Bereits im November 1974 wurde der Bau einer Schnellabkühlung erbeten. Das Thema wurde auf 1977 vertagt. Aus den Unterlagen vom April 1975 geht hervor, dass es zu der Zeit ein hohes Lebendviehaufkommen und einen Engpass bei der Kühlung gab. Für Rinder und Schweine sollte es getrennte Abkühlsysteme geben.

1981 nahm der VEB SVB Halle die Reko der Schweinedarmabteilung in Eigenleistung vor. Die Reko Zerlegung wurde im gleichen Jahr abgewiesen, weil den Entscheidern der ökonomische Teil der Grundsatzentscheidung unzureichend erschien. Ende Juni 1982 war die Reko Zerlegung allerdings bereits zu 80 Prozent fertiggestellt. In den fertigen Bereichen lief schon die Produktion.

Ebenfalls 1981 stand die Reko der Kühlung auf der Agenda. In einem Schreiben vom 19. August 1981 nannte der Direktor für Ökonomie drei Gründe für die Notwendigkeit der Reko: Nichteinhaltung der Kerntemperatur, Verwurf durch schlechte Kühlung und Vertragsstrafe wegen Nichteinhaltung der Qualitätsparameter infolge schlechter Kühlung. Wörtlich heißt es: "Der VEB Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb Halle arbeitet aufgrund seiner physisch verschlissenen Kühlung mit einer Ausnahmegenehmigung des ASMW (Amt für Standardisierung, Messwesen und Warenprüfung der DDR in Berlin-Friedrichshagen). Das bedeutet, daß mit der derzeitigen Kühlung die Kerntemperaturen wesentlich überschritten werden." Die monatlichen Verluste werden auf 50.000 Mark beziffert. Die Situation wird wie folgt beschrieben: "Derzeitig müssen wegen beginnender Zersetzung, Verfärbung und starker Geruchsabweichung wiederholt eine ganze Reihe von Produkten, wie Nieren, Stichfleisch, Spitzbeine, Kehlköpfe, Milz, Hirn, Rückenmark usw. verworfen werden. Darüber hinaus kommt es zu Oberflächenschmierigkeiten der Tierkörperhälften und -viertel, die durch Nacharbeit beseitigt werden müssen. Ein Teil des Fleisches ist nicht mehr für die Frischfleischauslieferung einsetzbar, sondern muß über die Veredlung durch arbeitsaufwendige Prozesse nachbearbeitet bzw. weiterverarbeitet werden (Pökeln). Zum Teil sind hochwertige Fleischteile nur noch für die Koch- und Brühwurstherstellung einsetzbar."

Am 9. November 1981 bestätigte das Ingenieurbüro für Investitionsvorbereitung Landwirtschaftsbau beim Rat des Bezirkes Halle in Bad Dürrenberg den Erhalt der Projektierungsaufträge für die "Reko Kühlung - unteres Kühlhaus" und die Umgestaltung der Durchgangshalle. Mit der Beschaffung und Installation der Kältetechnik wurde der VEB Maschinenfabrik Halle beauftragt.

Der VEB Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb Halle exportiert auch in die BRD. Über die AHB Nahrung, Export-Import, an der Schicklerstraße in Berlin wurde unter anderem die Firma R.u.W. Houdek OHG in Starnberg (Bayern) beliefert.

Schokoladenfabrik Most (2008/2009 abgerissen)

Schokoladenfabrik Most, Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

1859 übernahm Bernhard Most in der Leipziger Straße in Halle eine Produktionsstätte für "Honigkuchen und Zuckerwaren". Im Mittelpunkt stand zunächst die Produktion von Lebkuchen, die im eigenen Laden verkauft wurden. 1875 erwarb Most aus Platzgründen in der Nähe seines Ladens ein Grundstück und begann dort die industrielle Produktion von Schokoladenwaren. Bis zur Jahrhundertwende entwickelte sich die "Dampf-Chocoladen- und Honigkuchenfabrik" zu einem weit über die Region hinaus bekanntes Unternehmen.

Siebel-Flugzeugwerke GmbH, SFW (bis 1935 Flugzeugwerk Halle / FWH, 1945 von den Russen gesprengt)

Siebel, Foto: Martin Schramme Siebel, Foto: Martin Schramme Plan des Siebel-Geländes

Der 1946 durch Demontage der Siebel-Werke beendete Flugzeugbau war in Halle war während des Ersten Weltkriegs aufgenommen worden. Die Siebel-Flugzeugwerke hatten anfangs Schul-, Reise- und Verkehrsflugzeuge gebaut, entwickelten sich im Laufe des Zweiten Weltkriegs aber zu einem wichtigen Rüstungsbetrieb für die deutsche Luftwaffe. Aufklärer und Bomber wurden produziert und im letzten Kriegsjahr auch Strahl- und Experimentalflugzeuge. Die Siebelwerke bauten ab 1944 am Überschallflugzeug DFS 346 mit, das später von den Russen erst in Halle und dann nach der Verlegung von Technik und Personal nach Podberesje in der Sowjetunion weiterentwickelt wurde. Die Siebel-Werke befanden sich auf dem Gelände der ehemaligen Fliegerersatzabteilung 14 bzw. einem Flugplatz aus dem Ersten Weltkrieg. In den letzten Kriegsmonaten 1944/45 kamen viele Arbeitskräfte der Siebel-Werke aus dem nahegelegenen Außenlager des KZ Buchenwald in Mötzlich.

Linktipp: Luftarchiv

Solbad Wittekind (Januar 2012: drei Investoren interessiert | 2014: Schuh Securities rekonstruiert das Gesellschaftshaus)

Das Badehaus des Wittekind-Bades von der Straßenseite

Die Stadt Halle (Saale) ist durch die Salzvorkommen entlang der Saale groß geworden. Während die meiste Sole im Thale unterhalb des heutigen Hallmarktes von den Halloren gewonnen wurde, befanden sich kleinere Vorkommen unweit des Giebichenstein, die allerdings erst spät wirtschaftlich genutzt wurden. Das Solbad Wittekind entstand hier im 19. Jahrhundert und erfreute sich als Kur- und Freizeitort einer Beliebtheit, die zeitweise weit über Halles Stadtgrenzen hinausreichte. Zu den prominenten Gästen gehörte auch der Philosoph Friedrich Nietzsche, der in Halle die Folgen eines Reitunfalls kurierte. Mit dem Nachlassen der Salzvorkommen begann auch der Verfall des Bades, doch erlebte es unter Stadtbaurat Jost eine Renaissance. Aus jener Zeit stammt auch die heutige typische bauliche Ausprägung des Solbades. Bis 1977 Jahre wurde die Sole hier noch zu Heilzwecken angewandt. Danach war das Solbad nur noch Erholungsort. Als Anfang der 90er Jahre die letzten Mieter auszogen, war die Zukunft ungewiss. Die Gebäude verfielen, weil Halles Stadtverwalter einerseits Investoren ablehnten, die den Denkmalschutz nur bedingt im Auge hatten, andererseits aber selbst keine Rettungskonzepte entwickelte. Investoren wollten eine Rehaklinik, einen Gesundheits- und Erlebnispark oder ein Hotelbettenhaus bauen. Nach einer erneuten Ausschreibung des Objekts 1993/1994 schien der Verkauf und der anschließende Bau eines Luxus-Seniorenheimes bereits sicher. Doch das Vorhaben scheiterte.
Seit dem endgültigen Leerstand des Gebäudeensembles 1992 machten sich auch Bürger der Stadt Gedanken, wiesen auf den Missstand hin und entwickelten eigene Konzepte. Naturheilkundlich orientierte Ärzte und das familienpädagogisch orientierte Kindermuseum Halle wollten die Anlagen sanieren und nutzen. Nach jahrelangen Ringen tat sie sich zusammen und gründeten 2004 eine gemeinnützige GmbH. Durch das erfolgreiche Werben bei Geldgebern auf Landesebene kamen große Geldmengen zusammen oder wurden zugesagt. Doch es fehlte die professionelle Führung und die Stadt Halle verhielt sich sehr restriktiv bei der Ausgabe zugesagter Mittel. Die gGmbH kam in Zahlungsschwierigkeiten. Handwerker blieben auf ihren Rechnungen sitzen, bereits sanierte Anlagen wurden wieder zerstört, schließlich wurde prozessiert. Nun ist die Stadt alleinige Herrin des Geländes. 2008 bekundete der Verein Riesenklein, Betreiber eines Kindergartens, einer Schule und eines Horts im Stadtteil Frohe Zukunft, Interesse an. Allerdings bestanden von Anfang an Zweifel daran, dass der Verein die Millionen schwere Finanzierung hinbekommen würde. Die zeitweise diskutierte Idee der Stadt, das Wittekind dem benachbarten Bergzoo zuzuschlagen, scheiterte an der ohnehin schon schwierigen Lage des Tierparks auf dem Reilsberg. Hinter den Kulissen aber meldeten sich weitere Investoren. Am 16. März 2011 schrieb die Stadt Halle das Ensemble in ihrem "Amtsblatt" aus. Die Ensemble soll verkauft und möglichst umfassend restauriert werden. Im Januar 2012 gab es drei Interessenten. Die Stadtverwaltung Halle entschied sich für Schuh, der 2013 mit einem Neubau an der Kurallee begonnen hat und 2014 mit dem Gesellschaftshaus. Ende 2015 hatte er die Arkaden zum Kindergarten umfunktioniert und das Verwaltungsgebäude angefasst. Ende 2017 war dann auch das Jostsche Badehaus fertiggestellt. Inzwischen fand der Riesenklein einen anderen Standort: Das Kinderbetreuungsprojekt zog in die historischen Gebäude der ehemaligen Pädagogischen Hochschule Halle in Halle-Kröllwitz.

Sophienhafen (Speditions-Verein Mittelelbische Hafen und Lagerhaus Aktiengesellschaft)

Foto: Martin Schramme / 02.2010 Speditions-Verein Mittelelbische Hafen und Lagerhaus Aktiengesellschaft
Foto: Martin Schramme / 02.2010 Foto: Martin Schramme / 02.2010

Der Sophienhafen wurde 1857 - damals als Winterquartier für Lastkähne - angelegt. Anfang 1895 erhielt er einen Bahnanschluss. Es siedelten sich eine Reihe von Gewerbe- und (Tank-)Lagerbetrieben an, darunter die Speditionsverein Mittelelbische Hafen- und Lagerhaus AG, die Deutsch-amerikanische Petroleum-Gesellschaft und die Deutsch-russische Naphta-Import-Gesellschaft. Seit dem 8. September 1899 hieß die Betreibergesellschaft "Speditions-Verein Mittelelbische Hafen- und Lagerhaus-Aktien-Gesellschaft". Das Unternehmen bestand unter diesem Namen bis 1946. Schon bald zeigte sich, dass der Sophienhafen auf Grund seiner zentralen Lage und der unzureichenden Schiffbarkeit der Saale (Schiffe bis 400 Bruttoregistertonnen) als ungeeignet für den wachsenden Güterverkehr. Daher wurde 1916 der Bau eines neuen Hafens geplant, der allerdings erst zehn Jahre später in Halle-Trotha begonnen wurde. Mit dem neuen Hafen war das Ende des Sophienhafens besiegelt. 2012 baute ein Investor den alten Speicher zum Wohnhaus aus.

Zuckerraffinerie Halle (2006 für Computerhersteller Dell abgerissen)

Zuckerfabrik Halle Saale, Foto: Martin Schramme, 2006 Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Zuckerraffinerie Halle, Foto: Martin Schramme, 2006 Zuckerraffinerie Halle, Foto: Martin Schramme, 2006 Zuckerraffinerie Halle, Foto: Martin Schramme, 2006 Zuckerraffinerie Halle, Foto: Martin Schramme, 2006 Zuckerraffinerie Halle, Foto: Martin Schramme, 2006 Zuckerraffinerie Halle, Foto: Martin Schramme, 2006

Die "Neue Aktien-Zucker-Raffinerie" wurde 1859 gegründet. 1881 übernahm ein Konsortium unter dem Fabrikanten Richard Riedel und dem Bankier Heinrich Franz Lehmann das Unternehmen und gründete es unter dem Namen Zuckerraffinerie Halle AG neu. Hergestellt wurden dort Brotzucker, Würfelzuecker, gemahlener und granulierter Zucker. 1884 kaufte das Unternehmen die Hallesche Zuckersiederei am Hospitalplatz. Edmund Oskar von Lippmann (1857-1940) leitet die Zuckerfabrik von 1890 bis 1926 und machte sie zu einer der größten Zuckerfabriken in Deutschland. 1905/06 wurde die Fabrik am Bahnhof umgebaut und die Zuckersiederei dorthin verlegt. 1922/23 trat die Fabrik der Vereinigung mitteldeutscher Rohzuckerfabriken bei. Zu DDR-Zeiten wurde der Betrieb unter dem Namen "VEB Zuckerraffinerie Vorwärts Halle" (Raffineriestraße 28) bis 1990 fortgeführt. Dann übernahm die Treuhandgesellschaft die Liegenschaft. Die Zuckerraffinerie Halle gehörte wie 18 weitere Zuckerraffinerien, der VEB Ratiomittelbau Halberstadt und das Institut für Forschung und Rationalisierung der Zuckerindustrie in Halle zum Mitte 1984 gebildeten VE Kombinat Zucker Halle mit Sitz am Joliot-Curie-Platz 31. Bis zum 30. Juni 1990 bestand das Kombinat. Zum 1. Juli 1990 firmierte es als Deutsche Ostzucker AG. Doch schon am 31. Dezember 1990 erlosch die AG. Insolvenz. Fortan war die Immobilien- und Vermögensverwaltungs AG Halle/Saale mit der Beseitigung der Deutschen Ostzucker AG befasst. Die sehenswerten historischen Gebäude verfielen ungenutzt und wurde 2006 im Zuge der Ansiedlung eines Call-Centers von Dell abgerissen. Für einen Teil der Klinker fanden sich findige Geschäftsleute.

Wegelin & Hübner Maschinenfabrik und Eisengießerei (2008 Restbestand an der Turmstraße abgerissen)

Wegelin und Huebner AG, Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

"Wegelin & Hübner Maschinenfabrik und Eisengießerei Akt. Ges.": Dieses Gebäude mit der entsprechenden Aufschrift stand einst an der Turmstraße in Halle. 2008 wurde es zugunsten einer Eigenheim-Siedlung abgerissen. Von der großartigen Geschichte halleschen Ingenieurwesens ist nur die Erinnerung geblieben. Alfred Wegelin und Ernst Hübner hatten das Unternehmen 1869 als Maschinenfabrik für Dampfmaschinen, Kompressoren, Pressen und Pumpen für Brauereien, Chemiefabriken und Zuckerfabriken in Halle (Saale) gegründet. 1873 kan eine Eisengießerei dazu. Ab 1886 gehörten auch Eis- und Kältemaschinen zum Fertigungsprogramm. Die Maschinenfabrik wuchs und wurde auch international bekannt. Das Wachstum war auch baulich sichtbar: bis 1895 wurden in etwas mehr als zehn Jahren füf neue Fabrikhallen gebaut. 1899 wurde W&H eine Aktiengesellschaft. Diese AG kaufte 1901 die Hallesche Union AG und 1917 des Nachbarobjekt der Wernicke Maschinenbau AG in Halle. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) deklarierten die neuen Machthaber den Traditionsbetrieb als Volkseigentum und verbanden ihn mit der Halleschen Maschinenfabrik und Eisengießerei zum VEB Maschinenfabrik Halle, kurz MAFA.

alter Blumen-Laden

alter Blumenladen, Foto: Martin Schramme, 2019 alter Blumenladen, Foto: Martin Schramme, 2019 alter Blumenladen, Foto: Martin Schramme, 2019 alter Blumenladen, Foto: Martin Schramme, 2019

Alter Blumenladen in Halle-Kröllwitz. 1990, im letzten Jahr der DDR, befanden sich im gesamten Stadtgebiet Halle zahlreiche alte Aufschriften, die Halles wirtschaftlichen und politischen Vergangenheit dokumentierten. Im Zuge von Abriss, Umbau und Sanierung sind seitdem die meisten dieser Schriften verschwunden. Nur selten sind, wie im hier abgebildeten Beispiel, alte Aufschriften auch nach der Sanierung eines Altbaus erhalten geblieben.

Quellen
aktiensammler.de
albert-gieseler.de
fhw-online.de
hwph.de

 

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