Schkeuditz (Sachsen)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
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letzte Änderung am 07.06.2020

1840 bekam Schkeuditz einen Bahnanschluss nach Leipzig und Magdeburg. Das war der erste Impuls für eine gute wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Mit der Gewerbefreiheit 1845 folgte der zweite Impuls. Die Pelzherstellung und Malzproduktion wurden zwei wesentliche Zweige der fortschreitenden Industrialisierung in Schkeuditz.

Batterien Rudolf Wolf (Oststr.)

Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017
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VEB Brühlpelz Schkeuditz

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Eintrag im Fernsprechbuch Bezirk Leipzig 1982, herausgegeben von der Deutschen Post der DDR: VEB Brühlpelz, Leipziger Rauchwarenindustrie, Werk Wildware, VEB Kombinat Kunstleder und Pelzverarbeitung Leipzig. Das Fabrikgelände erstreckt sich von der Leipziger Straße bis zur Weißen Elster und vom Friedhof Altscherbitz bis zur Kirche an der Albanusstraße.

Wandbild 1000 Jahre Schkeuditz von 1981 (Hallesche Straße)

Wandreklame zur Feier 1000 Jahre Schkeuditz und zur Tradition der Pelzproduktion, Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011 Foto: Martin Schramme, 2011

Stand Juli 2011: Vom 6. Juni bis 21. Juni 1981 feierte Schkeuditz als Stadt im DDR-Bezirk Leipzig das 1000. Jahr seit der Ersterwähnung. Dieses Wandbild in der Halleschen Straße erinnert an dieses Jubiläum. 981 wurde der Ort erstmals erwähnt als Pfarrkirche im Bistum Merseburg. An der Wand zu erkennen sind der Schriftzug "Qualität aus Tradition und Fortschritt" und der Fuchs in Form eines kleinen b, das Zeichen von Brühlpelz Leipzig. Stark verblichen und ohne technische Tricks nicht mehr lesbar ist der weiße Schriftzug "RAUCHWARENINDUSTRIE DER DDR". Auf braunem Grund befinden sich in Siegelform die Schrift "1000 Jahre Schkeuditz" mit den Jahreszahlen 981 und 1981 sowie dem Brühlfuchs, dem Giebel des Rathauses von Schkeuditz und einem Zahnrad.

Papierfabrik Wehlitz (Fabrikstraße, VEB Vereinigte Papier- und Rohdachpappenfabrikation Wehlitz)

Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme, 2017 Foto: Martin Schramme

Das Klinkerbau-Ensemble steht an einem jahrhundertealten Mühlenstandort an der Weißen Elster. Seit 1882 befand sich dort die F. M. Weber Papier- & Pappenfabrik Wehlitz (Friedrich Moritz Weber). 1883 kam die erste Dampfmaschine zum Einsatz, ein Fabrikat von der Görlitzer Maschinenbauanstalt. Ab 1910 nutzte die Papierfabrik auch die Wasserkraft und setzte zwei Francis-Turbinen Voith aus Heidenheim ein. Ende der 1930er Jahre gehörte der Betrieb zu den nationalsozialistischen Musterbetrieben (Vgl. Internationale Bibliographie zur Papiergeschichte). Nach der Enteignung 1945 war der Betrieb SAG-Betrieb, also unter Regie der Sowjetunion, die den Osten Deutschlands gemäß der in Jalta und Potsdam beschlossenen Nachkriegsordnung besetzt hatte. 1975 war das Werk als VEB Vereinigte Papier- und Wellpappenfabriken Wehlitz Teil des VEB Kombinat Zellstoff, Papier und Pappe Heidenau tätig. Zu DDR-Zeiten war dort zuletzt der VEB Vereinigte Papier- und Rohdachpappen-Fabrikation Wehlitz / Schkeuditz West (Vgl. Fernsprechbuch Bezirk Leipzig 1982).

alte Silos (Fabrikstraße)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

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Wasserturm am Flughafen Leipzig-Halle

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

1909 wurde der Wasserturm von Schkeuditz erbaut (am Portal zu lesen: "Erbaut AD 1909"). Er gehört heute der Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH und wird noch betrieben. Über der Eingangstür des Klinkerbauwerks steht der Spruch "Ohne Wasser kein Leben".

Planetarium Schkeuditz

Foto: Martin Schramme, 2018 Foto: Martin Schramme, 2018 Foto: Martin Schramme, 2018 Foto: Martin Schramme, 2018

Mit Sputnik 1957 (erster künstlicher Himmelskörper) und Juri Gagarin 1961 (erster Mensch im Kosmos) schien der Sieg des Kommunismus gewiss. Jedenfalls aus der Sicht der DDR. 1978 schließlich schaffte es mit Sigmund Jähn, Jagdflieger der Nationalen Volksarmee in der DDR, der erste Deutsche ins All. In all den Jahren entwickelte sich die Raumfahrt zu einem der zentralen Themen auch für Agitation und Propaganda. Astronomie wurde neues Unterrichtsfach und in zahlreichen Städten der DDR entstanden Planetarien und Observatorien. Im Oktober 1978 war es auch in Schkeuditz soweit. Größter Akteur beim Bau des Objektes war der VEB Maschinen- und Apparatebau Schkeuditz.

altes Abfertigungsgebäude des Flughafens Halle-Leipzig in Schkeuditz

Foto: Martin Schramme, 2018 Foto: Martin Schramme, 2018 Foto: Martin Schramme, 2018 Foto: Martin Schramme, 2018 Foto: Martin Schramme, 2018 Foto: Martin Schramme, 2018

In den Jahren 1937/38 entstand auf der heutigen Südseite des Flughafens Leipzig/Halle (damals noch Halle-Leipzig) ein repräsentatives Terminal. Damals war der Flughafen in Mitteldeutschland immerhin Nummer 4 im Deutschen Reich. 50.000 Fluggäste pro Jahr wies die Statistik jener Zeit aus. Der Entwurf des Bauwerks stammte aus der Feder von Georg Roediger, Architekt in Halle (Saale). Mit seinem Bruder Ulrich verdiente er sich mit dem Architekurbüro Georg Roediger & Ulrich Roediger einen Namen. 1926 arbeiteten sie unter anderem für die Hallesche Dampf-Backofen-Fabrik, Hallesche Misch- und Knetmaschinenfabrik. Auf die Flughafennutzung bis in die 1960er Jahre folgte der Gebrauch als Gebäude für den VEB Maschinen- und Apparatebau Schkeuditz (MAB). Nach dem Ende der DDR kam das Objekt schließlich in die Denkmalliste des Freistaates Sachsen. 2015 war das exklusive Gebäude für 3,5 Millionen Euro bei Engel & V¨lkers im Angebot. 2017/2018 war das Logistikunternehmen Aerologic Herr im Haus.

alte Speicher in Schkeuditz

Foto: Martin Schramme, 2018 Foto: Martin Schramme, 2018 Foto: Martin Schramme, 2018

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Lehrwerkstadt des MAB Schkeuditz

Foto: Martin Schramme, 2018 Foto: Martin Schramme, 2018

Hier befand sich einst die Lehrwerkstadt des VEB Maschinen- und Apparatebau Schkeuditz (MAB) samt Küche und Speisesaal. Dieses Objekt war auch der Treffpunkt für junge Flugmodellbauer. Das war historisch gesehen durchaus logisch, da MAB aus dem Flugzeugbau Schkeuditz (Siebel Flugzeugwerke Werk III, Lufthansa-Werkstätten und Flughafen Leipzig-Halle) hervorgegangen war. 1947 übergab die Sowjetische Militäradministration an die Deutschen. Erstes Projekt wurden die Entwicklung und der Bau von Kühlanlagen und Kühlaggregaten. Von 1954 bis 1961 war MAB nochmals Teil der Luftfahrtindustrie und stellte Industrieausrüstungen her. Danach konzentrierte sich der MAB komplett auf die Luft- und Klimatechnik. Letztlich entwickelte sich der Betrieb zum größten im Kombinat Luft- und Klimatechnik.3500 Werktätige erwirtschafteten einen Jahresumsatz von 465 Millionen Mark.

VEB Möbelbau Schkeuditz, Betrieb des VEB Möbelkombinat Eisenberg

Foto: Martin Schramme

Zum Fertigungssortiment des VEB Möbelbau Schkeuditz im Möbelkombinat Eisenberg gehörte das Schlafzimmer-Modell Silvia, ein Kleider-Wäscheschrank, zweitürig für 489 Mark.

Malzfabrik (2006 abgerissen)

Die 1872/73 als Deutschlands größtes Bauwerk dieser Art errichtete Malzfabrik in Schkeuditz wurde 2006 abgerissen. Zu DDR-Zeiten war sie mit bis zu 15.000 Jahrestonnen der Sternburg-Brauerei in Leipzig zugeordnet und Teil des VEB Getränkekombinat Leipzig.

Legende
DDR = Deutsche Demokratische Republik (erster sozialistischer Staat auf deutschem Boden, bestand von 1949 bis 1990)
AD = anno domini = im Jahre des Herrn

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Backwarenkombinat Leipzig VEB Großbäckerei Leipzig Betriebsteil Kondi Produktionsstätte X, Hallesche Str. 73
VEB Brühlpelz
VEB Chemische Erzeugnisse Schkeuditz (VEB Kombinat Chemische Erzeugnisse Leipzig)
VEB Dachpappen- und Isolierstoffwerk Schkeuditz (VEB Dachpappenwerk Schkeuditz, Betrieb im VEB Kombinat Baulemente und Faserbaustoffe - BAUFA Leipzig)
VEB Druckerei Schkeuditz
VEB Edelpelz Schkeuditz (VEB Kombinat Edelpelz und Pelzverarbeitung)
VEB ELMO Schkeuditz, Käthe-Kollwitz-Straße 1
VEB Gebläsewerk Schkeuditz (VEB Kombinat Leipziger Metallbau)
VEB Gurtförderer Schkeuditz
VEB Kaninveredlung Schkeuditz
VEB Käserei Elstertal in Schkeuditz (Vereinigung für die Lenkung der Milchindustrie)
VEB Maschinen- und Apparatebau Schkeuditz (seit 1947 MAB, VEB Kombinat ILKA Luft- und Kältetechnik Dresden)
VEB Möbelbau Schkeuditz (Betrieb im VEB Möbelkombinat Eisenberg)
VEB Modern Schkeuditz
VEB Pelzkopfbekleidung Schkeuditz
VEB Schkeuditzer Obst- und Gemüsekonserven
VEB Sternen-Brauerei Schkeuditz
VEB Straßen und Tiefbau Schkeuditz
VEB Zoologische Artikel Schkeuditz

Wirtschaft in Schkeuditz vor 1945
Carl Enke GmbH Spezialfabrik für Pumpen- und Gebläsemaschinen (Carl Enke Maschinenfabrik Schkeuditz bei Leipzig, Pumpen, Gebläse, Ventilatoren)
C.A. Worbes Technische Schleifutensilienfabrik (gegr. 1865, Special-Bimstein, Metzschleifstein, Worbasscher Universal Holzschleifstein)
Conrad Müller Buchdruckerei Schkeuditz-Leipzig (gegr. 1885, Steindruckerei, Buchbinderei, Perforieranstalt, Kautschukstempel)
F.C. Becker Odor-Akkumulatoren- und Elemente-Werk
Flughafen GmbH
J. Schaefer Söhne Dampfsägewerke Schkeuditz (gegr. 1852, Dampfsägewerke, Fabrik technischer Holzwaren: Bureau-, Mal- und Zeichenutensilien, Reissbretter, Reisschienen, Winkel, Kurven, Lineale, Transporteure, Holzzirkel, Pantographen, Paletten, Malkasten, Staffeleien, Massstäbe, Federkasten, Stereometrie-Körper, Tintenlöscher, Schreibzeuge, Kuvertkasten, Papierständer, Holzriemenscheiben, Holzkämme für Zahnräder, Laubsägeholz und -Vorlagen)
Leipziger Margarine-Fabrik Richard Held, Schkeuditz (Specialmarken: "Compliment", "Freia", "Weltruf" und "Heldenstern", Margarine-Werbung mittels Postkarten und Reklamemarken mit Motiven aus aller Welt, Firma druckte den Hinweis "trustfrei" in seine Reklame, um zu signalisieren, dass sie nicht von angloamerikanischem Kapital unterwandert ist)
Lufthansa Instandsetzungswerft
Malzfabrik Schkeuditz (1872 gegr. als Leipziger Malzfabrik in Schkeuditz, 1873 errichtet, größte Malzfabrik Europas, Tennen-Mälzerei)
NIG - Neue Industrie Gesellschaft Berlin, Werk Schkeuditz Abteilung Propellerbau
Pelzgroßhandels- und Veredlungsfirma Thorer & Co.
Rexitekt-Gesellschaft mbH Schkeuditz-Leipzig (Rexitekt = teerfreier geruchloser Bedachungsstoff, wetterfest, wasserdicht, elastisch, biegsam, fälnisfest, abtropffest, alkali- und säurefest, für jedes Klima, auch Tropen geeignet, billigste Bitumen-Dauer-Bedachung)
Schäfer & Kirsch Möbelfabrik und Dampfsägewerk Schkeuditz/Leipzig
Siebel-Flugzeugwerke GmbH Werk III, Schkeuditz (seit 1937, Ableger der Siebel-Werke in Halle für die Endmontage von Kampfflugzeugen)
Staatliche AG für Baustoffe in Deutschland "Zement" Dachpappenfabrik in Schkeuditz
Th. Otto & Comp., Schkeuditz (seit 1873, Ottosche Drahtseilbahnen aus Simplex-Seilen und Patent-Weichen für den Transport von Rohmaterial und fertigen Produkten der Kalk-, Gips- und Chamotte-Industrie)
Tierhaarverwertung Rödiger & Quarch
Vedag Schkeuditz (Vereinigte Dachpappenfabriken Aktiengesellschaft)

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: "bedeutende Malzfabriken, Rauchwarenzurichtereien, Gerbereien, Fabriken für Margarine, Senf, Pelzboas, Pappe, landwirtschaftliche Maschinen, Röhrendampfkessel, Drahtseilbahnen, Steinkohlenteer, Etuis, chirurgische Instrumente und Möbel."

Begriffe
Rexitekt = teerfreie Dachpappe, mit Bitumen getränkte Wollfilzpappe, die pflegearm ist und farblich frei gestaltet werden kann

Quellen
ackerflieger.de
moopenheimer.com
oldthing.de
picclick.de
schkeuditzer-museumsverein.de