Wutha-Farnroda (Thüringen)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 13.08.2023

Mit dem Bau der Bahnstrecke Wutha-Ruhla 1880 durch die Ruhlaer Eisenbahn-Gesellschaft begann in Wutha-Farnroda die Industrialisierung. Dank der Bahnverbindung nach Ruhla konnten viele Farnrodaer in den Ruhlaer Industriebetrieben arbeiten. Gleichzeitig begünstigte die neue Infrastruktur die Errichtung der Elektro-Porzellanfabrik Scholtze & Co. (Elektro-Isolatorenwerk) und war sicher auch für die vielen Handwerksbetriebe kein Nachteil. Der deutsche Komponist Richard Wagner (1813-1883) hat sich indes bei seiner Reise durch die Region und speziell durch die Hörselberge zu seiner Oper "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg" anregen lassen. Ferner ist der Raum Wutha für Geologen hochinteressant, weil es hier einen ungewöhnlichen Reichtum an verschiedenen Gesteinen, Schichtenfolgen, Lagerungsformen und sich daraus ergebenden Landschaften auf engstem Raum gibt.

Stasi-Beobachtungsbunker auf dem Wachstein

Beobachtungsposten auf dem Wachstein, Foto: Martin Schramme, 2023Beobachtungsposten auf dem Wachstein, Foto: Martin Schramme, 2023 Beobachtungsposten auf dem Wachstein, Foto: Martin Schramme, 2023Beobachtungsposten auf dem Wachstein, Foto: Martin Schramme, 2023
Der Wachstein befindet sich gut versteckt hinter einigen Felsen.
Beobachtungsposten auf dem Wachstein, Foto: Martin Schramme, 2023Beobachtungsposten auf dem Wachstein, Foto: Martin Schramme, 2023
Der Wachstein-Konglomerat als Teil des Oberrotliegenden der
Eisenach-Format ist Geologen ein Begriff. Bei dem Gestein
handelt es sich um Granitporphyr mit Quarzeinsprenglingen.

Vom Wachsein (496 m) aus hat der Wanderer einen schönen Blick über das idyllisch gelegene Straßendorf Mosbach. Auf dem Wachstein befindet sich ein Beobachtungsbunker, der zu DDR-Zeiten gebaut und vom Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) zur Überwachung des Luft- und Funkraums genutzt wurde. Wegen der ausgezeichneten Fernsicht, aber auch wegen der Nähe zu Mosbach, einem der renitentesten Ortschaften in Grenznähe, bot sich der Platz geradezu an.

Firma Petkus

1852 beginnt die Petkus-Story. Christian Friedrich Röber produziert Ackerwagen, Pflügen, Häckselmaschinen und Kornsiebe. 1883 steigen seine Söhne Carl und Rudolf ein und spezialisieren sich auf den Bau von Saatgutreinigungsmaschinen, die sie sich patentieren lassen. In den Jahren bis 1910 boomt auch der Export, insbesondere nach Russland. PETKUS-Maschinen erhalten beste Prädikate in Deutschland, Russland, Österreich und Ungarn, England und Frankreich. Zu den Kunden gehören sogar der deutsche Kaiser Wilhelm und Reichskanzler Otto von Bismarck. Derweil sind die Röberbrüder so klug, den Namen PETKUS schützen zu lassen. Mit dem Kriegsende 1945 kommt auch das (vorläufige) Ende des Kapitalismus. Immer mehr Betriebe werden verstaatlicht. 1952 trifft es auch PETKUS. Die Röber-Nachkommen gehen nach Minden in West-Deutschland, wo sie ihre Geschäfte fortsetzen. Im Osten geht es ab 1955 mit dem VEB PETKUS Landmaschinenwerk Wutha/Thüringen weiter. Im Zuge des anhaltenden Fusionsprozesse in der sozialistischen Planung und Leitung der DDR wird PETKUS 1970 Teil des Fortschritt-Kombinats, das alle Landtechnikbetriebe vereint. Mit der Wende 1989/90 ändert sich alles. PETKUS muss sich wieder auf kapitalistische Verhältnisse umstellen, was mit der Reprivatisierung 1994 zum Abschluss kommt. Zur gleichen Zeit stellen die Behörden für Teile der historischen Gebäude in Wutha-Farnroda die Denkmaleigenschaft fest.

Grebestein

Grebestein, Foto: Martin Schramme, 2023Grebestein, Foto: Martin Schramme, 2023 Grebestein, Foto: Martin Schramme, 2023Grebestein, Foto: Martin Schramme, 2023 Grebestein, Foto: Martin Schramme, 2023Grebestein, Foto: Martin Schramme, 2023

Der Grebestein in den Wäldern und Felsen oberhalb von Mosbach (Wutha-Farnroda) erinnert an den Oberlandforstmeister Dr. Carl Grebe (1816-1890). Die 1900 gegossene Gedenkplatte stammt von den Gebrüder Klaus aus Heidingsfeld. Die Brüder stammten aus einer alten, thüringer Glockengießerfamilie und betrieben nach ihrem Fortzug nach Heidingsfeld bei Würzburg (Bayern) die Glocken- & Metallgießerei Gebr. Klaus. Carl Friedrich August Grebe war Forstmann und Hochschullehrer und seiner Herkunft nach Hesse. 1844 trat er in den Staatsdienst des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach und übersiedelte nach Eisenach. Ab 1850 arbeitete er als Direktor der Eisenacher Forstlehranstalt. Kurz vor seinem Tode wurde er in den Adelsstand erhoben.

Betriebe in der DDR
VEB Anlagenbau Petkus Wutha (Kombinat Fortschritt Landmaschinen)
VEB Herbacin Wutha
VEB Kombinat für Gartenbautechnik Berlin Kombinatsbetrieb Wutha
VEB Stanzwerk Ruhla Zweigbetrieb Farnroda
VEB Technische Federn
Agrochemischen Zentrums Wutha

Wirtschaft in Wutha-Farnroda vor 1945
Elektro-Porzellanfabrik Scholtze & Co. KG Farnroda
Gebrüder Röber GmbH Wutha in Thüringen (gegr. 1852 in Eichrodt bei Eisenach, Schmiedewerkstatt mit Ackerwagen, Pflügen und Häckselmaschinen)
Generatorkraft Thüringen, Ableger in Wutha der Generatorkraft Aktiengesellschaft für Tankholz und andere Generatorkraftstoffe mit Sitz in Berlin (gegr. 1940 mit Ziel der Autarkie des Deutschen Reiches bei der Energieversorgung)
Herbacin GmbH (seit 1905 in Wutha ansässiger Naturkosmetikhersteller)
Kalkwerk Wutha
Rothe Söhne, Mühlen- und Wasserbau, Farnroda

Quellen
petkus.de
wuerzburgwiki.de
wutha-farnroda.de

Königlich Preußische Geologische Landesanstalt, Blatt Wutha, Berlin 1913