Zossen (Brandenburg)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Genehmigung!
letzte Änderung am 11.06.2021

1875 erhielt Zossen Anschluss an die Bahnstrecke Berlin-Dresden. Die brandenburgische Stadt war seither auch mit Königlich-Preußischen Militäreisenbahn verbunden. Auf der Strecke zwischen Zossen und Berlin-Marienfelde fanden von 1901 bis 1904 Schnellfahrversuche mit elektrischen Lokomotiven und Triebwagen statt. Die AEG stellte in jener Zeit mit einem Elektro-Triebwagen den Geschwindigkeitsrekord von 210 Stundenkilometer auf.

Kalkschachtöfen (1850/1880)

Industriedenkmal Kalkschachtoefen in Zossen, Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014 Foto: Martin Schramme, 2014

Zwei Kalkschachtöfen stehen in Zossen. Als technisches Denkmal sind sie erhalten geblieben. Der eine Ofen wurde um 1850, der zweite um 1880 errichtet. Ernst Schmatolla aus Berlin baute die Öfen für Franz Oertel und seine "Kalkbrennerei & Cementfalsstein-Fabrik F. Oertel". Branntkalk wird in der Bau- und Chemischen Industrie benötigt.

Widerlager einer Eisenbahnbrücke (Baujahr 1940-42)

Eisenbahn-Widerlager aus der NS-Zeit, Foto: Martin Schramme, 2021 Foto: Martin Schramme, 2021 Foto: Martin Schramme, 2021 Foto: Martin Schramme, 2021 Foto: Martin Schramme, 2021 Foto: Martin Schramme, 2021 Foto: Martin Schramme, 2021 Foto: Martin Schramme, 2021

Wer im Gebiet von Zossen unterwegs ist, der stößt in Sichtweite zum Funkturm Glienick rechts und links der Straße auf zwei rätselhafte Stahlbeton-Fundamente. Nach Art und Material steht für den erfahrenen Betrachter relativ schnell fest, dass das ein Bauwerk aus der NS-Zeit ist. Tatsächlich schreiben Bahnfreunde zu dem Bauwerk, dass die NS-Architekten Berlins Innenstadtring von Gütertransporten befreien und die Güter um Berlin herumleiten wollten. 1937 begann die Arbeit an konkreten Plänen. Dazu gehörte auch der neue Bahnabschnitt von Zossen nach Großbeeren. 1940 sollte die Trasse stehen, aber kriegsbedingt kam es erst zu Verzögerungen und 1942 schließlich zum kompletten Baustopp. Der NS-Staat scheiterte auch hier am Größenwahn seiner Projekte. So waren diverse Aufschüttungen und die Widerlager besagter Brücke samt der munter grünenden und wuchernden Natur auch 2021 noch Zeitzeugen des nach nur 12 Jahren kollabierten Tausendjährigen Reichs. Relikte das Bauprojekts sind auch in Berlin zu finden, so unter anderem ein Widerlager über die Laake in Karow.

Der so genannte Güteraußenring war Teil des Großprojekts "Germania", das aus dem pittoresken Berlin der Kaiserzeit einen Ort unvorstellbarer Gigantomanie machen sollte, eine Reichshauptstadt nach dem Weltbild der Nationalsozialisten. Für den Gütertransport außerhalb des Berliner Stadtgebietes sprachen zwei Gründe: 1. war das Stadtnetz bereits überlastet und 2. die erwartete Gefährdung durch Luftangriffe war geringer.

Brückenwiderlager: Die Brückenwiderlager sollen die Kräfte der Brücke aufnehmen und in den Erdboden ableiten sowie die Böschung des Bahndamms im besonders sensiblen Übergangsbereich zwischen Bahndamm und Brücke sichern.

Bahnhof in Zossen

Foto: Martin Schramme, 2014

Zossen war einst durch die Königlich Preußische Militär-Eisenbahn mit Schöneberg (heute: Berlin) verbunden. Erkenntnisse über die Bedeutung der Eisenbahn während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 bewogen die Militärs dazu, den Bau einer rein militärischen Eisenbahnstrecke zu fordern. Dabei ging es unter anderem um eine Verbindung zum Schießplatz in Kummersdorf. Ab 1901 wurde auf der Strecke zwischen Marienfelde (heute: Berlin) und Zossen Schnellfahrversuche durchgeführt. Dort testeten unter anderem AEG und Siemens elektrische Triebwagen. Am 27. Oktober 1903 stellte die AEG einen Weltrekord auf: 210,2 Stundenkilometer. Als in Versailles die Bedingungen für das im Ersten Weltkrieg (1914-1918) unterlegene Deutsche Kaiserreich diktiert wurden, kam auch der Betrieb der Militärbahn in das Verbotsregister. In der Folge wurde die Strecke von Berlin nach Zossen demontiert 1919, da es sich um Parallelgleise zur Berlin-Dresdener Eisenbahn handelte.
Militärbahn bei Wikipedia

Fernsehturm Glienick (Baujahr 1960-1963, DDR)

Funkturm Zossen, Foto: Martin Schramme, 2021 Foto: Martin Schramme, 2021 Foto: Martin Schramme, 2021

Die Deutsche Post baute die Funkmesskontrollstelle Glienick von 1960 bis 1963. Sie war damit Teil des Funknetzes der DDR und war ursprünglich als Infrastrukturbestandteil des DDR-Fernsehfunks gedacht.

Der Glienicker Fernsehturm ist in der Region Teltow-Fläming weithin sichtbar. Mit etwas Fantasie sieht er aus wie eine große Stielhandgranate. 2014 berichtete die ortsansässige Presse, wie der Turm zur Müllhalde verkommt. Das Objekt liegt in einem etwas abgelegenen Waldstück und lädt so viele Neugierige ein. 2021 war das Gelände mit einem neuen Zaun und Kameras gesichert. Überall befanden sich Hinweis- und Warnschilder mit Verboten des Betretens und Hinweise auf die Überwachung. An der Zufahrt zum Turmareal befand sich ein Briefkasten mit einem Namen. Glienick ist ein Ortsteil von Zossen.

Trebbin

Trebbin ist ein Ortsteil von Zossen. Der Ortsname Trebbin wird als Ableitung vom slawischen Wort für "Rodung" angesehen. Trebbin war einst der Wohnort des märkischen Eulenspiegels Hans Clauert. In den 1930er Jahren entwickelte sich Trebbin zu einem Zentrum des deutschen Segelflugs.

Schlossermeister Erich Heidowitzsch

Schlossermeister Erich Heidowitzsch, Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme
Die Aufschrift "Kohlenhandlung" kann man hier erahnen. Darunter stand in dünneren Lettern
offenbar etwas wie "Modemacherwaren".
Schlossermeister Erich Heidowitzsch, Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme
Die Aufschrift "Kohlenhandlung" kann man hier erahnen. Darunter stand in dünneren Lettern
offenbar etwas wie "Modemacherwaren".
Schlossermeister Erich Heidowitzsch, Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

An diesem alten Mehrfamilienhaus in Trebbin konnte man noch im Mai 2021 sehr gut die Geschichte ablesen. Da stand unter anderem zu lesen: Kunst Bau Maschinen Schlosserei Kohlen Handlung Landwirtschaftliche Maschinen Dreherei Autogene Schweißerei. Über der Haustür stand groß Erich Heidowitzsch Schlossermeister. Unter dem Schriftzug von Erich war der von August Heidowitzsch zu erahnen. Das war offenbar sein Vater. Im Adressbuch der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbsleute und Rittergutsbesitzer für Berlin/Brandenburg von 1866 sind die Färber Adolf und August Heidowitzsch zu finden, vermutlich Vater Adolf und Sohn August. Weitere Recherchen führen zu einer "Zwangsversteigerung des dem Schlossermeister Erich Heidowitzsch gehörenden Grundstücks in Trebbin 1935-1938.

alte Mühle?

, Foto: Martin Schramme

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Schützenhaus, Kulturhaus

Schuetzenhaus in Trebbin, Foto: Martin Schramme, 2021 , Foto: Martin Schramme, 2021 , Foto: Martin Schramme , Foto: Martin Schramme , Foto: Martin Schramme , Foto: Martin Schramme , Foto: Martin Schramme

Das Schützenhaus in Trebbin, Baujahr 1911, gehört zu den rund 1000 Baudenkmalen im Gebiet Teltow-Fläming. In der DDR war das Schützenhaus das Kulturhaus "Solidarität". Im Erdgeschoss waren Tanzsaal, Jugendclub und Gaststätte.

Das Bauwerk stammt aus der Feder des 1860 in Breslau geborenen Architekten und Preußischen Baumeisters Walter Kern (1860-1918). Schaut man sich das Objekt mit dem Fachwerkturm an und studiert auch andere Kern-Bauten, so hatte der Architekt offenbar eine Vorliebe für Türme. Diese Art des Bauens gilt als Heimatschutzarchitektur. Der Stil etablierte sich kurz nach 1900 und setzte der fortschreitenden Industrialisierung ein romantisches Lebensgefühl entgegen. So erinnert der Jäger, der am Eingang des Schützen- oder Jagdhauses im Baum einem Hirsch auflauert, an Vorbilder aus den Alpen.

Hotel Niessler

Hotel Niessler in Trebbin, Foto: Martin Schramme, 2021 Hotel Niessler in Trebbin, Foto: Martin Schramme, 2021

Hotel Niessler steht an einer Giebelwand unweit einer Ortseinfahrt von Trebbin. Die Aufschrift ist vergessen, verblichen und teilweise überdeckt, dabei handelt es sich um das Artefakt eines Hotels, das noch im Mai 2021 seine Bedeutung hatte. Die Hintergründe zu der Geschichte waren auf der Internetseite der Gastwirtschaft "Zum Kommandanten" zu finden. Demnach handelte es sich um die älteste (noch tätige) Gastwirtschaft von Trebbin. Die Geschichte begann im Frühjahr 1887 mit dem Böttchermeister Wilhelm Hansche, der eine Schankwirtschaft beantragte. Im Juni 1890 bekam dann ein gewisser Herr Carl Nießler die Konzession für eine Gastwirtschaft. In der Kommandantenstraße 6 zog das Hotel Niessler samt dem Restaurant "Gerichtslaube" auf. Im Hause fanden sich ein Gesellschaftsraum und Vereinszimmer. Am Platze gab es zudem eine Kegelbahn und Autogaragen für den damals noch sehr seltenen Autoverkehr, womit der Herr des Hauses also letztlich die feine Gesellschaft ansprach, der allein es damals oblag, sich Kraftdroschken oder Benzinkutschen zu leisten. Carl Benz hatte sein Automobil 1886 gerade erst patentieren lassen. Im Jahr 1900 lag die weltweite Automobilproduktion dann inklusive Lkw und Busse bei nicht einmal 10.000 Fahrzeugen. Das Auto kam gerade in Mode, so dass im selben Jahr so viele Gründer wie nie zuvor das Abenteuer Automobilbau begannen.

alte Scheune mit DDR-Slogan

Scheune mit DDR-Slogan in Trebbin, Foto: Martin Schramme, 2021 Scheune mit DDR-Slogan in Trebbin, Foto: Martin Schramme, 2021 Scheune mit DDR-Slogan in Trebbin, Foto: Martin Schramme, 2021 Scheune mit DDR-Slogan in Trebbin, Foto: Martin Schramme, 2021 Scheune mit DDR-Slogan in Trebbin, Foto: Martin Schramme, 2021

Nur noch schwer zu lesen, aber doch zu erahnen war noch im Mai 2021 ein Spruch aus DDR-Zeiten (1949-1990), der sich an einer alten Scheune in Trebbin befand. "In Scheunen und Ställen kein offes Licht. Strafe, die droht, wenn Feuer ausbricht."

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Backwaren Zossen (VEB Backwarenkombinat Potsdam)
VEB Brauerei Zossen
VEB(K) Dienstleistungsbetrieb Zossen
VEB Druckerei Zossen
VEB Feuerlöschgerätewerk Luckenwalde mit dem Betriebsteil Trebbin
VEB Fliesenleger und Plattenbau Zossen
VEB Gaswerksausrüstungen Zossen
VEB Holzbauelemente Zossen
VEB IFA-Automobilwerke Ludwigsfelde mit der Außenstelle Trebbin
VEB Kfz-Instandhaltung Zossen
VEB Konserven- und Nahrungsmittelbetriebe Neuhof bei Zossen
VEB Kreisbaubetrieb Zossen
VEB Malzbierbrauerei
VEB Möbelkombinat Hellerau
VEB Oberlausitzer Volltuchfabrik Görlitz, Stopfstützpunkt Trebbin
VEB Vereinigte Holzindustrie Potsdam-Süd, Werk Trebbin
VEB Wärmetechnik Zossen
GPG Blumenstadt
Konsum-Kaufhaus "Treffpunkt"
Märkische Möbelwerke Trebbin
PGH Dachdeckerhandwerk

Wirtschaft und Leben in Zossen vor 1945
Brauerei Johannes Herlth (Brauerei seit 1874, zunächst unter dem Namen Brauerei W. Fiedler und dann L. Herlth, 1970 enteignet)
Dampfmühle Ferdinand Egeler (Bockwindmühle seit 1876 vor dem Berliner Tor, seit 1908 im Neubau im Nöhringswinkel, ab 1923 Dampfmühle, ab 1961 Elektrobetrieb, erst Lohn- und Handelsmühle, seit 1959 Umstellung von Mehl- auf Futtermühle)
Dampfmühle Wilhelm Maass (Mühlenneubau 1910)
Ernst Stewig, Schmiedemeister, Zossen, Baruther Str. 6 (Hufbeschlag und Wagenbau, Landwirtschafliche Maschinen)
Hotel Deutscher Kaiser Zossen
Hotel zum goldenen Löwen
Kalkbrennerei Franz Oertel

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: An der schiffbaren Notte, den Linien Berlin-Elsterwerda der Preußischen Staatsbahnen und Berlin-Kummersdorf-Schießplatz der Militäreisenbahn, mit Vorortverkehr nach Berlin. Post, Telegraph, Fernsprecheinrichtung. Cementfabrikation, Eisengießereien und Maschinenfabriken, Kalkbrennereien, Ziegeleien und Gärtnereien.

Quelle
blha-recherche.brandenburg.de
maz-online.de
picclick.de

 

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