Schwerin (Meck-Pomm)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 29.11.2021

1847 bekam Schwerin Anschluss an die Bahnstrecke Berlin-Hamburg. Ab 1908 hatte die Stadt eine elektrische Straßenbahn. Seit 1913 gab es einen eigenen Flugplatz. Der Flugpionier Fokker kam im selben Jahr mit seiner Flugzeugfabrik von Berlin nach Schwerin, blieb aber nur bis 1919 blieb, weil es dem Deutschen Reich nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg (1914-1918) verboten war, eigene Flugzeuge zu bauen. Fokker ging in die Niederlande. Ab 1933 arbeiteten die Nationalsozialisten daran, Schwerin als Kultstätte auszubauen, da der von ihnen verehrte Wilhelm Gustloff in Schwerin geboren worden war.

Kurhaus in Zippendorf

Hotel in Schwerin, Foto: Martin Schramme, 2020 Hotel in Schwerin, Foto: Martin Schramme, 2020 Hotel in Schwerin, Foto: Martin Schramme, 2020 Hotel in Schwerin, Foto: Martin Schramme, 2020 Hotel in Schwerin, Foto: Martin Schramme, 2020 Hotel in Schwerin, Foto: Martin Schramme, 2020

1909 begannen clevere Geschäftsleute damit, Zippendorf bei Schwerin als Luftkurort zu entwickeln: Wälder direkt am malerischen Schweriner See mit einer Anmutung wie eine kleine Ostsee - was wollte man mehr. Man baute das Kurhaus. Der Anschluss an die Schweriner Straßenbahn 1921 brachte dem Hotel nach der Flaute während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) eine Phase des Aufschwungs. 1923 stieg der namhafte Schriftsteller Kurt Tucholsky samt seiner Geliebten im Hause ab.

Nach Jahren des Niedergangs beschlagnahmte schließlich 1944 die Deutsche Luftwaffe das Objekt und nutzte es als Lazarett. Nach dem Krieg kamen hier erst ehemalige KZ-Häftlinge und Flüchtlinge unter, dann Heimkinder. Ab 1956 war das alte Kurhaus dann Klubhaus und Wohnheim für Sportler. 1984 ging das Gebäude an das Lederwarenkombinat Schwerin über und erlebte den Betrieb als Internat und Weiterbildungseinrichtung. Mit dem Ende der DDR kam auch das Ende des Kombinats mit ihm das Ende des Kurhotels.

1990 verscherbelte die Treuhand das Anwesen. Seitdem sind alle Vorhaben, das Objekt als Wohnobjekt um- und auszubauen gescheitert. Im Februar 2021 meldete die Schweriner Volkszeitung, dass ein Bauunternehmer aus Wismar konkrete Pläne für das Haus vorgelegt habe. 2016 hatte ein Münchner Architekturbüro bereits versprochen, den alten Glanz des Hauses wiederherzustellen.

Strand-Hotel

Kurhaus in Schwerin, Foto: Martin Schramme, 2020 Kurhaus in Schwerin, Foto: Martin Schramme, 2020 Kurhaus in Schwerin, Foto: Martin Schramme, 2020

Das Strand-Hotel Bad Zippendorf warb noch direkt nach der Wende 1989/90 mit Dusche und WC, Fernsehen und Telefon, Seeblick, Garagenplätzen, Kurkonzerten sowie erstklassiger internationaler und mecklenburgischer Küche. Bis in die 2000er Jahre lief noch ein offenbar sehr erfolgreicher Diskothekenbetrieb am Ort. Ab 2006/2007 stand das Haus dann leer. Nichts regte sich mehr, dann gab es immer wieder Pläne, aber nichts passierte.

2017 rangen ein Investor und die Menschen vor Ort um eine Lösung, die wirtschaftlich vertretbar und für das Dorf Zippendorf vom Umfang erträglich wäre. Doch man konnte sich nicht einigen. Im Januar 2018 gründeten Bürger eine "Arbeitsgruppe Standhotel". Ihr Ziel: Das Hotel am Strand reaktivieren und Neubaukonzepte für Betuchte verhindern. Weil jahrelang nichts passierte und der Verfall des einst ansehnlichen Hauses am Schweriner See immer weiter voranschritt, diskutierten Kommunalpolitiker 2020 die Enteignung des Objekts.

Im Oktober 2020 kursierte dann ein neuer Bebauungsplan für das Hotel-Gelände.

Betriebe in der DDR
VEB Chemiehandel Schwerin, Gosewinkler Weg 35a
VEB Energiekombinat Schwerin, Obolsitenring 40
VEB Getränkekombinat Schwerin
VEB Keramik, Schwerin
VEB Klement-Gottwald-Werke, Stalinstr. (KGW, VEB Kombinat Schiffbau Rostock)
VEB Kombinat Kabelwerk Oberspree (KWO) Wilhelm Pieck, Berlin, Werk Nord, Schwerin
VEB Kombinat Lederwaren Schwerin
VEB Kraftfahrzeuginstandsetzungswerk "Vorwärts"
VEB Landtechnisches Instandsetzungswer-Werk Schwerin (LIW auch in Parchim)
VEB Linda-Werk Schwerin (Linda "Neutral", Leichtwaschmittel mit Haut- und Faserschutz)
VEB Möbelwerke Schwerin
VEB Molkerei und Dauermilchwerk Schwerin
VEB Nahverkehrsbetrieb Schwerin
VEB "Plakotex" Fehrbellin, Werk Schwerin
VEB Plastmaschinenwerk TRUSIOMA Schwerin, Hagenower Landstraße
VEB Plasteverarbeitung Schwerin
VEB Sattler- und Lederwaren "LEWA", Schwerin-Görries, Rogahner Str. 11
VEB Schweriner Brauerei (VEB Getränkekombinat Schwerin)
VEB Schweriner Industriewerke
VEB Uhle Schwerin (Spirituosen, deutscher Sekt)
VEB Verpackungsmittelwerk Schwerin, Schwerin-Lankow, Grevensmühlener Str. 20-22
HO-Gaststätte "Turmcafé"
Hotel Stadt Schwerin
Konsum-Mineralwasserfabik Schwerin
Schall & Schwencke KG Schwerin

Schwerin in Meyers Handlexikon von 1977
Lebensmittelindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau, Holz-, chemische, elektrotechnische Industrie, Getreide, Zuckerrüben, Futterfrüchte, Viehzucht, Erholungswesen, Schiffsausrüstungen, Plastverarbeitungsmaschinen, Kabel, Molkereierzeugnisse, Plastewaren, Hydraulikanlagen, Lederwaren, Baustoffe. Bahnknoten.

Wirtschaft in Schwerin vor 1945
Amelung Dampf-Vulkanisier-Anstalt, Schwerin, Molkereistr. 4 (Handlung in Auto-Reifen, Kugel- und Rollenlager, Auto-Zubehör, modern eingerichteter Vulkanisier-Betrieb für Autoreifen-Reparatur jeder Art und Neugummierung in Vollformen)
Brauerei Schall & Schwencke (seit 1872)
Deutsche Holzwerke Fritz Dettmann, Möbelfabrik
Fokker Flugzeugwerke mbH Schwerin
Friedrich Engel Großhandel in Süßwaren und Markenartikeln, Industrie- und Handelsvertretungen, Flaschenlager, Schwerin, Steinstr. 14
Gerhard Kipcke, Fabrik chemischer Produkte
Hamburger Kaffee-Lager Thams & Garfs, Schwerin, Helenen-Str. 3
Hutfabrik Heinrich Hintze, Hofkürschnermeister & Hoflieferant, Schwerin, Kaiser-Wilhelm-Str. 3
Konsum Essig- & Senffabrik
Phot. und Verlag v. C. H. B. Müller, Hoflieferant, Schwerin i. M.
Portland-Cement-Fabrik Hermann Hellmrich
Rix & Iwersen Papiergroßhandlung Papierverarbeitung, Schwerin, Augustenstr. 6 (gegr. 1896)
Rud. Brauer Briketts, Hüttenkoks, Anthracit, Eiform-Briketts, Steinkohlen, Grude-Holz, Holzkohlen (Vertrieb Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft)
W. Janssen, Janssen-Mühle

Schwerin im Brockhaus-Lexikon von 1895
Liegt in 38 m Höhe am Südwestende des Schweriner Sees und inmitten mehrerer kleiner Seen, an den Linien Ludwigslust-Wismar und Hagenow-Schwerin sowie der Nebenlinie Schwerin-Crivitz der Mecklenb. Friedrich-Franz-Eisenbahn. Die Industrie erstreckt sich auf Eisengießerei, Maschinen- und Wagenbauanstalten sowie Fabrikation von Cement, Farben und Firnis, Seife, Musikinstrumenten, Möbeln, Kachelöfen und Korkwaren. Bedeutend ist die Tischlerei, ferner Ziegeleien und Sägewerke.

Quellen
ebay.de
hauspost.de
picclick.de
schwerin.live
svz.de
vimeo.com

 

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