Flöha (Sachsen)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
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letzte Änderung: 14.06.2021

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde insbesondere Betriebe der Textilindustrie Ausdruck der Industrialisierung in Flöha. Eine Vorreiterrolle nahm Flöha einst bei der Herstellung von Buntpapier ein.

Ringspinnerei und Gasirerei E.J. Clauss Nachf. Plaue bei Flöha

Baumwollspinnerei Floeha, Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Die Textilindustrie war einst eine Schlüsselindustrie in Sachsen. Die Spinnerei in Flöha gehört zu den beeindruckendsten Industriebauten jenes Zeitalters. Sie sollte sich später als Ringspinnerei und Gasirerei E.J. Clauss Nachf. Plaue bei Flöha etablieren. Bevor jedoch Otto und Ernst Iselin Clauß 1815 das Objekt übernahmen, hatten unter Christian Gottlieb Seeber 1809 die Bauarbeiten an dem Industriekomplex begonnen. Damals hieß der Ort noch Plaue (seit 1962 nach Flöha eingemeindet). Flöha belieferte fortan eine Weberei in Chemnitz. Das Unternehmen behauptete sich am Ende fast 150 Jahre. In der DDR bestand die Fabrik als VEB Vereinigte Baumwollspinnereien und Zwirnereien Flöha. Auf die Schocktherapie des Systemwandels 1990 folgte das Ende des Industriebetriebs im Herbst 1994.

Inzwischen tut sich was auf dem gesamten Gelände der Alten Baumwolle Flöha.

Papierfabrik / VEB Buntpapierfabrik Flöha

Buntpapierfabrik Floeha, Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015 Foto: Martin Schramme, 2015

Kinder haben in der DDR gern gebastelt und so konnte es sein, dass ihr Buntpapier aus Flöha kam. Nach dem Ende des Sozialismus 1990 im Osten Deutschlands folgte die Privatisierung. 1992 erwarb Huchtemeier aus Dortmund die Fabrik. Ende 2018 berichtete die Zeitung "Freie Presse", dass die Stadt Flöha plane, das Industrieareal samt Buntpapiefabrik zu kaufen, um zu verhindert, dass sich das Areal zum Spekulationsobjekt entwickelt. Um 1750 war in Leipzig Deutschlands erste Buntpapierfabrik entstanden.

Lichtspiele Flöha

Lichtspiele Floeha, Foto: Martin Schramme, 2015

Die Kinos nannte man früher oft Lichtspieltheater oder Lichtspiele. Auch Flöha verfügte über ein solches Lichtspielhaus.

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Bau Flöha
VEB Baumwollspinnerei Flöha
VEB Buntpapierfabrik Flöha
VEB Fahrzeugelektrik Flöha
VEB Feinbackwaren Flöha
VEB Feinseidenzwirnerei Flöha
VEB Getreidewirtschaft Freiberg Betriebsteil Flöha, Dammstr. 18
VEB Holzverarbeitung Flöha (VEB Mö ;belkombinat Zeulenroda)
VEB Kommunale Wohnungsverwaltung Flöha
VEB Texturseidenwerke Flöha (VEB Kombinat Trikotagen Karl-Marx-Stadt)
VEB Vereinigte Baumwollspinnereien und Zwirnereien Flöha (VEB Kombinat Baumwolle)

Wirtschaft und Leben in Flöha vor 1945
A. Peitz & Sohn Papier- und Schreibwaren-Handlung (gegr. 1886, Formularlager, Bürobedarfs-Artikel, Buchdruckerei)
Baumwollspinnerei E.I. Clauß-Nachfolger
Baumwollspinnerei Falkenau AG (arisiertes Unternehmen seit 1941)
Baumwollspinnerei Georg Liebermann
Baumwollspinnerei Gückelsberg William Schulz Aktiengesellschaft (gegr. 1819, AG seit 1927, wurde später die älteste Spinnerei Sachsens)
Fortuna GmbH (während der NS-Zeit Teil der ERLA-Maschinenfabrik Leipzig zur Herstellung von Flugzeugteilen und Außenlager des KZ Flossenbürg)
Kreditanstalt für den Bezirk der Amtshauptmannschaft Flöha AG (gegr. 1923)
Max Neubert Turngerätefabrik, Flöha bei Chemnitz (Fabrikbau 1904 und 1905, Turnhallen-Einrichtungen, Turn-, Spiel- und Sportgeräte)
Max Seidel Tapezierermeister und Dekorateur, Augustusburger Str. 40 (Polstermöbel und Linoleum)
P.F. Kreyßig Flöha (gegr. 1892, Mehl, Getreide, Futtermittel, Quaalitätsmehle, Backmittel)
Robert Wilisch Chromo- und Buntpapier-Fabrik in Plaue bei Flöha in Sachsen (gegr. 1878, weiße und farbige Glanz- und Glacé-Papiere und -Kartons für alle Verwendungszwecke)
Spinnerei J.C. Weißbach & Sohn
Tuchfabrik Fiedler (erbaut 1851)
Tüllfabrik Flöha AG (gegr. 1907)
Tüllfabrik KG Carl Siems & Co.
Wilisch-Werke, Chromo-, Glacé- und Buntpapier-Fabrik (gegr. 1878)

Eintrag in das Brockhaus-Lexikon von 1894: Oberhalb des Einflusses der Flöha in die Zschopau, in reizendem Thalkessel, an den Linien Dresden-Cehmnitz, Chemnitz-Annaberg und Flöha-Pockau-Lengefeld der Sächsischen Staatsbahnen. Post zweiter Klasse, Telegraph. Baumwollspinnerei, Kesselschmiede, Holzpappenfabrik, Tischlereien, Glaserei, Seilereien, Dampfschneidemühle, Holzschleiferei, vier Ziegeleien, Kohlenschächte, bedeutende Lehmlager, zahlreiche Steinbrüche, in welchen Porphyr, Thon- und Glimmerschiefer, Gneis und Sandstein gebrochen wird, und Handelsgärtnerei. Die Flöha und die Zschopau sind sehr fischreich, namentlich an Forellen. Flöhathalbahn: Sächsische Staatseisenbahn von Chemnitz und Flöha über Marienberg nach Reitzenhain (Grenze) mit Zweigbahn Pockau-Olbernhau (1875 eröffnet); die Fortsetzung nach Komotau in Böhmen bildet einen Teil der Buschtiehrader Eisenbahn.

Legende
Gasirerei / gasieren = industrielles Sengen von Faserhärchen die an Geweben und Filzen hervorstehen

Links Kulturdenkmals in Flöha

Quellen
picclick.de

 

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