Idar-Oberstein liegt im tiefen Tal des Nahe-Flusses inmitten eines vulkanischen Massivs. Besondere Bekanntheit erlangte der Ort im Westen Deutschlands durch die Edelsteinfunde und die darauf aufbauende lange Tradition der Schmuckindustrie. Die Achat- und Edelsteinschleiferei blühte einst und ein Betrieb reihte sich an den anderen. Schon die Römer kannten die Achat-Vorkommen der Region. Schriftliche Quellen über erste Achatfunde in der Grafschaft Oberstein sind allerdings erst aus dem Jahr 1454 bekannt. Auf das Jahr 1497 datiert schließlich eine Verfügung, welche dem Volk die Lizenz zum Graben nach Achaten erteilt, freilich nur unter der Bedingung einer Abgabe an die Herren von Oberstein.
Um 1660 kam die erste Goldschmiede in die Region. Knapp 100 Jahre später waren Tabaksdosen die wichtigsten Produkte dieser Zunft. 1825 wanderte einige Menschen der Region nach Brasilien aus, wo sie mehr oder weniger zufällig Edelsteine entdeckten, die größer, schöner und billiger waren als die meisten Steine, die sie aus ihrer Heimat kannten. Diese Steine aus Südamerika gelangten schließlich auch nach Idar und Oberstein, erstmals 1834, wo sie dem jahrhundertealten Handwerk neuen Schwung gaben.
1933 entstand die Verwaltungsgemeinschaft Idar-Oberstein, indem man die Orte Oberstein, Idar, Algenrodt und Tiefenstein zusammenlegte. Derweil geriet die Region wiederholt unter die Kontrolle der Franzosen, so von 1794 bis 1813, von 1918 bis 1930 und von 1945 bis 1956. Heute befindet sich Idar-Oberstein im Bundesland Rheinland-Pfalz, vor 1933 hatten Idar und Oberstein zum Fürstentum Birkenfeld gehört, einer Enklave des Großherzogtums Oldenburg.
Jakob Bengel Schmuckwaren- und Uhrkettenfabrik (1873-1933)
Die Firma Jakob Bengel gehört zu den Firmen, deren Wirken zwar schon lange Geschichte ist, die aber nicht vergessen sind und um deren materielles und ideelles Erbe sich Enthusiasten liebevoll kümmern. Der durch die Jakob Bengel-Stiftung behütete Ort mit Wurzeln im Zeitalter der Industrialisierung ist heute ein Museum und kann besichtigt werden.
1873 war Jakob Bengel als Ketten- und Bijouteriewarenfabrik angefangen. Nach dem Ersten Weltkrieg stellte die Firma Schmuck aus verchromten Metall und Galalith im Stil der Kunstrichtung Art Deco her.
Gottlieb & Wagner (gegr. 1866)
Mit der Produktion von Modeschmuck ging Gottlieb & Wagner 1866 an den Start. Inzwischen hat sich das Unternehmen auf die Galvanik spezialisiert.
Ziemer & Söhne (gegr. 1904)
Zum Zeitpunkt der Gründung 1904 konzentrierte sich die Firma Ziemer & Söhne auf die Herstellung von Modeschmuck und Metallverarbeitung. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte das Unternehmen auf hochwertigen Modeschmuck. Ab 1950 boomte Eloxalschmuck.
Das Firmengebäude stand einst am Ufer der Nahe. Jetzt allerdings befindet sich eine vierspurige Schnellstraße in der Nachbarschaft, nachdem der Fluss in den 1980er Jahren überbaut worden ist. Allerdings befindet sich der Firmensitz nach der Umfirmierung 1998 in Bijou Collection GmbH einige Meter weiter.
Hotel "Pfälzer Hof"




Die Schweizer Kuenstlerin Nina Mischler schuf die Wandbemalung JEDER ZUG ZAEHLT
samt einer Darstellung des ehemaligen Hoteliers und Billard-Champions Paul Schneider.



Der Kreis Birkenfeld-Baumholder gehoerte 1943 zum Reichsgau Moselland, wo der
Versorgungsring Moselland GmbH fuer die Verteilung der kriegsbedingt rationierten
Lebensmittel zustaendig war. Mit der abgebildeten Reichskarte konnte das Hotel
Pfaelzer Hof wahlweise 700 Gramm Marmelade oder 350 Gramm Zucker abrufen.
Am Dachgiebel des Hauses steht das Baujahr: 1903. Das Bauwerk stammt also aus der Zeit des Deutschen Kaiserreiches (1871-1918/19). Es wurde einst als Hotel "Pfälzer Hof" betrieben. 2010 erwarb die Künstlerin und Tanztherapeutin Eila Goldhahn das leerstehende Objekt, um es mit Unterstützung der Stadt Idar-Oberstein sanieren und als Künstlerhaus auferstehen zu lassen. Zum Zeitpunkt des Kaufs war das Haus einsturzgefährdet, doch es konnte gerettet werden und war 2013 erstmals Mietobjekt mit Künstlerresidenzen.
Bijouterie-Fabrik Max Keller (1917-2007)
1917 begann die Geschichte der Bijouterie-Fabrik Max Keller in Oberstein. 1932 starb der Gründer und 1983 seine Nachfolgerin. 2007 erfolgte die Liquidation, 2008 die Löschung des Unternehmens.
Wegweiser zur Jugendherberge Idar-Oberstein in Oberstein
Die Jugendherberge in Idar-Oberstein besteht seit Sommer 1957. Hier zu sehen ist ein alter Wegweiser an der Eisenbahnbrücke über den Wüstlautenbach. Von dort ist es nicht weit bis zur Jugendherberge an der Alten Treibe. Nach einer Grundsanierung öffnete die Übernachtungsstätte im Frühjahr 2026 wieder.
Edelsteinmine
Lava, welche sich vor 250 Millionen Jahre auf die Erdoberfläche ergoss, ist ursächlich für die in Drusen und Mandeln vorkommenden Edelsteine bei Idar und Oberstein. Römer fanden hier die ersten edlen Steine. Im 14. Jahrhundert begannen Einheimische mit dem Abbau von Edelsteinen, insbesondere von Achat und Jaspis, allerdings erst einmal über Tage. Später stießen sie ins Massiv vor: Die Edelsteine aus dem harten Vulkangestein herauszuschlagen, war eine unvorstellbare Schinderei. Es galt die Faustregel: ein Mann, ein Jahr, ein Meter. 1875 endete dieses Kapitel der deutschen Bergbaugeschichte. Zeitgleich ward die Idee geboren, den Berg für Besucher zu öffnen. Nach 1964 erfolgten Aufräumarbeiten im zentralen Stollen gründete sich 1978 der Förderverein Steinkaulenberg-Weiherschleife, der nebst der Edelsteinmine auch eine alte Edelstein-Schleiferei integrierte.
Auf aktuellen Karten des Geoportals der Bundesrepublik Deutschland sind 14 Stolleneingänge eingezeichnet.
Die Edelsteinmine Steinkaulenberg ist die einzige zur Besichtigung freigegebenen Edelsteinmine Europas. Besucher werden mehr als 400 Meter durch den Berg mit freiliegenden Edelsteinen und unterirdischen Seen geführt. Welche Edelsteinminen weltweit sind heute noch aktiv? Einige Beispiele: das als "Tal der Rubine" bekannte Mogok-Tal in Myanmar (Asien), das Smaragd-Paradies Muzo in Kolumbien (Südamerika), Sri Lanka mit seinen Ceylon-Saphiren (Asien), Kaschmir mit den blauen Kaschmir-Saphiren (Asien), Gilewy Hills in Tansania (Afrika), Amethyst in Maissau/Österreich (Europas größtes Vorkommen).
mehr Informationen zu den Edelsteinminen weltweit
Teuerste Eisenbahn in Deutschland (Anschluss Oberstein 1859)


Letzte Brücke vor der Einfahrt zum Bahnhof Idar-Oberstein.


Blick auf die Gleise vor der Einfahrt zum Bahnhof Idar-Oberstein.


Blick auf die Gleise vor der Einfahrt zum Bahnhof Idar-Oberstein.
Ein wesentliches Element zur Wiederbelebung der verarmten Region Idar und Oberstein nach der Krise des Edelsteinbergbaus Anfang des 19. Jahrhunderts war der Bau der Eisenbahn durch das Nahetal. Ziel des Baus war es, die Steinkohlegruben des Saargebiets mit der Region Bingen am Rhein zu verbinden. Tatsächlich förderte die Bahn die Industrialisierung. Die 1856 gegründete Rhein-Nahe-Eisenbahn-Gesellschaft (RNE) mit Sitz in Bad Kreuznach trieb den Bau der Nahe-Tal-Bahn voran, der 1859/60 auch Oberstein erreichte. Der Bau war durch die geographischen Besonderheiten der Strecke so anspruchsvoll, dass Arthur von Mayer, Verfasser der "Geschichte und Geographie der deutschen Eisenbahnen von ihrer Entstehung bis auf die Gegenwart" (Berlin, 1891) von der teuersten Bahnstrecke Deutschlands sprach. So mussten allein zwischen Oberstein und den Nachbargemeinden drei Tunnel (Enzweiler, Homericher, Gefallener Fels) mit einer Gesamtlänge von 1067 Meter gebaut werden.
Betriebe nach 1945 und in der BRD
August Dampel Lederwaren und Schirme
Gebrüder Schmidt (gegr. 1818, ab 1955 Kunststoffverarbeitung, 1995 Großfeuer und Neubeginn, 2023 Insolvenzantrag)
Julius Knebes & Co. Schmuckwaren-Fabrik
Klein und Quenzer AG, Reissverschlussfabrik (Reißverschlüsse waren 1939 bereits kurz im Programm nach der Übernahme des Reissverschlussherstellers Record Metallwaren GmbH in Berlin und Überführung der Produktion nach Idar-Oberstein)
Otto Loch Idar-Oberstein, Verkaufsbüro der Registrierpapierfabrik Quetting
Schiffgens-Exakt Papierwarenfabrik / Großdruckerei
Textilhaus Baumbauer, Hauptstr. 395
YMOS Autoteilezulieferer (gegr. 1899 in Hausen/Obertshausen, Werkseröffnung 1971, Insolvenz 2009)
Wirtschaft in Idar-Oberstein bzw. von Oberstein und Idar vor 1945
Achatwaaren-Fabrik A. Schönborn (Grosse Auswahl in Amethyst-, Achat-, Jaspis-, Malachit-, Krystall-, Tigeraugen- und Katzenaugen-Artikeln)
Adolf Lohmann Metallwarenfabrik
Alexander Schmidt Photograph, Oberstein-Idar
August Dampel Sportart und Militär-Effekten (gegr. 1874)
August Mayer Edelsteinschleiferei und -Handlung, Idar an der Nahe, Ditzenstr. 20 (Spezialität: Rubin, Saphir, Smaragd, Aquamarin, Turmalin, Peridots, Opale, Ametyst, Topase)
Carl August Schätzel Steinschleiferei, Idar (Spezialität: Achat, Halbedelsteine)
Elias Neuhäuser Uhrketten und Bijouterie
Emil Lorenz Edel- und Halbedelsteinschleiferei, Idar, Brühlstr. 7
Emil Rink II & Söhne Bijouterie-Fabrik Oberstein (Nahe), Graben 8
Firma A. Ruppenthal (gegr. 1890, Start 1875 als Edelsteingravierwerkstatt, ab 1890 Exportgeschäft)
F. C. Germann Uhrkettenfabrik, Leutenbachstrasse 1 (Spezialität: Armbänder, Colliers, Anhänger)
Fritsch & Co. (gegr. 1920, Steine jeder Art für Bijouterie-Fabriken, Achatsteine für technische Zwecke, Import von Rohsteinen)
Gebrüder Bender Fabrikation von Nickel-, Schneckenpanzer- und Panzerketten
Gebrüder Schmidt Metallwarenfabrik, Oberstein an der Nahe, Austraße (gegr. 1818 von Goldschmieden, Metallverarbeitung und -veredlung, Galvanik)
Georg Loch Bijouterie-Fabrik (Amethyst, Topas, Blutstein, Opal, Obsidiane, Simili)
Gottfried Roll Prägeanstalt (1920)
Gottlieb & Wagner (gegr. 1866)
Gustav Caesar Edelsteinschleiferei und -handel (gegr. 1840)
Hans Juchem Diamantschleiferei (gegr. 1938)
Jakob Bengel (gegr. 1873)
Jakob Drautzburg Bijouterie-Waren
Julius Moser Uhrketten- und Bijouteriefabrik mit Kraftbetrieb, Oberstein an der Nahe
Klein und Quenzer AG (gegr. 1904, Herstellung von Uhrenketten und Damenschmuck ab 1906, seit 1928 Aktiengesellschaft, neben C. E. Juncker in Berlin der Hauptproduzent der reichsdeutschen, militärischen Orden und Auszeichnungen des Ersten und Zweiten Weltkrieges)
Louis Wild I Söhne Achatwarenfabrik, Idar (Import von Roh-, Edel- und Halbedelsteinen: Opale, Amethyste, Topase, Saphire, Ceylonsteine)
Oberstein-Idarer Elektrizitäts-Aktiengesellschaft (gegr. 1899)
Philipp Hahn Edelsteinschleiferei und -handlung (1846, Gründung Filiale in New York 1881)
Rudolf Fißler GmbH Idar-Oberstein Aluminium- und Metallwarenfabrik (gegr. 1845, Spezialgeschirre und Geräte für Haushalt und Großküchen, Elektro-Hochwatt-Geschirre, Elektro-Plastal-Geschirre, Tafelgeräte, Touristen- und Krankenpflege-Artikel, Geräte für Konditoreien, Fleischereien, Molkereien usw.)
Theodor Schmidt Schmuckwarenfabrik, Mainzer Str. 147 (gegr. 1860)
Ziemer & Söhne Bijouterie- und Metallwaren-Fabrik (gegr. 1904 durch August Ziemer)
Eintrag im Brockhaus von 1894
Oberstein: Stadt im oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld, am Hunsrück, in einem engen Thale am Einfluß des Idarbachs in die Nahe, an der Linie Saarbrücken-Bingerbrück der Preußischen Staatsbahnen, 5861 Einwohner (1890), Fabrikation von Schmucksachen und Goldschmiedearbeiten sowie bedeutende Achatschleiferei und Steinschneiderei (Obersteiner Waren), wozu die Steine meist aus Brasilien und Indien bezogen werden.
Idar: Stadt im oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld, am Idarbach und am südlichen Abhange des Hochwaldes, Achat-, Halbedelstein- und Edelsteinschleiferei und -Schneiderei (Gravierung) sowie Fabrikation von echten Schmuckwaren, Werkzeugen und Maschinen.
Begriffslegende
Kaule = Grube, rundes Loch
Simili = geschliffene Glassteine, Nachahmung von Edelsteinen (Strass)
teuerste Eisenbahnstrecke Deutschlands = Mayer schreibt auf Seite 480 wörtlich: "Diese Bahn ist bezüglich der ersten Anlage die theuerste Bahn Deutschlands, was sich aus den unendlich schwierigen Bauarbeiten erklärt, wovon hier speciell 32 Dämme, 47 Einschnitte, 15 Tunnels und 48 grössere sowie 402 kleinere Brücken und Durchlässe genannt sein mögen."
Quellen
Geschichte und Geographie der deutschen Eisenbahnen von ihrer Entstehung bis auf die Gegenwart, 1890 : bearbeitet nach Original-Quellen als Lehr- und Pruüfungsbuch für die deutschen Eisenbahn-Beamten, als Handbuch für Börsen-Interessenten, Capitalisten und Eisenbahn-Unternehmer, sowie als Hilfsbuch zum Studium für jedermann von Mayer, Arthur.
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kuladig.de
rhein-zeitung.de
sharedhabitat.net
Wirtschaftsgeschichte Rheinland-Pfalz
Links
Interviews mit Zeitzeugen der Edelstein-Industrie in Idar-Oberstein