Allstedt (Helme, Sachsen-Anhalt)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder und Texte ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 15.09.2020

Das Industriezeitalter begann in Allstedt 1851, als die Zuckerfabrik erbaut wurde. 1885 folgte der Bau der Malzfabrik, 1890 kam ein Metallwerk hinzu. 1894 hatte die Stadt dann auch einen Anschluss an die Eisenbahnstrecke Oberröblingen–Allstedt.

Malzfabrik Allstedt (Helme), VEB Getränkekombinat Dessau (gegr. 1885)

Foto: Martin Schramme, 04.2011 Foto: Martin Schramme, 04.2011 Foto: Martin Schramme, 04.2011
Foto: Martin Schramme, 04.2011 Foto: Martin Schramme, 04.2011 Foto: Martin Schramme, 04.2011 Foto: Martin Schramme, 04.2011 Foto: Martin Schramme, 04.2011 Malzfabrik Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 Foto: Martin Schramme, 2020 Foto: Martin Schramme, 2020 Malzfabrik Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 Foto: Martin Schramme, 2020 Foto: Martin Schramme, 2020 Foto: Martin Schramme, 2020

Zwei Aufschriften sind am Gebäudekomplex der ehemaligen Malzfabrik in Allstedt zu erkennen: Goldene Aue Malzwerke GmbH (Sangerhausen) und Pilzfarm.
Die Malzfabrik wurde 1885 gegründet als Malzfabrik Allstedt Rudolph Grosse & Co. Aktiengesellschaft. In der DDR gehörte die Malzfabrik zuletzt zum VEB Getränkekombinat Dessau.

In den kühlen Kellern der stillgelegten Malzfabrik betrieb Birgit Hanisch nach der Wende eine "Pilzfarm". Dort wurden tonnenweise Champignons geerntet. Nach einem Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung" kamen im Rekordjahr 2008 insgesamt 370 Tonnen Pilze zusammen. Später setzte Nadine Kemnitz (siehe Foto) die Pilzfarm fort. Auch im Jahr 2020 gehörte die Pilzzucht noch fest zum Wirtschaftsleben in Allstedt. Im Ort gibt es die Pilzzuchtschule "Heureka", die nach eigener Darstellung "eine einmalige Einrichtung in Europa" ist.

Getreidespeicher Allstedt, Max Buschner (1935 und 1937)

Speicher Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 Speicher Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 Speicher Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 Speicher Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 Speicher Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020

Am alten Bahnhof von Allstedt befinden sich zwei alte Getreidespeicher. Auch im Sommer 2020 erinnerten Aufschriften an längst vergangene Zeiten: 1935 und 1937. Damals in der Zeit des NS-Regimes ließ Max Buschner zwei Speichergebäude errichten. Damit war er in guter Gesellschaft und auf der Höhe der Zeit, weil sich der Reichsnährstand intensiv darum bemühte, im gesamten Deutschen Reich genügend Lebensmittelreserven zu organisieren und insbesondere die Unabhängigkeit vom Ausland zu garantieren. Der Reichsnährstand förderte im Zuge eines entsprechenden Ausbauprogramms ausdrüklich auch die Privatwirtschaft, allerdings erst seit 1938.

Bahnhof/Eisenbahnanschluss Allstedt (1894-1994)

Bahnhof Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 Bahnhof Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 Bahnhof Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020

Schon in den 1840er Jahren sollte Allstedt einen Eisenbahnanschluss bekommen. Geplant war die Strecke Halle-Nordhausen mit Zwischenstopp in Allstedt. Als 40 Jahre später der Bau der Bahnverbindung von Sangerhausen nach Erfurt vorankam, konnten die Allstedter und unter ihnen insbesondere die Inhaber der Betriebe erneut hoffen. Im Juli 1881 stand die Strecke bis Artern, einer nahegelegenen Nachbarstadt. Dass es im Herbst 1894 endlich soweit war, hatte Allstedt dann auch dem Bau eines Kupferschieferbergwerks im nahen Niederröblingen zu verdanken. 1973 stellte die Deutsche Reichsbahn den Personenverkehr ein. Zum Jahreswechsel 1994/1995 endete auch der Güterverkehr.

altes Haus in Allstedt

altes Haus in Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 altes Haus in Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 altes Haus in Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020

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Flugplatz Allstedt (Aerodrom der Roten Armee)

Flugplatz Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 Flugplatz Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 Flugplatz Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 Flugplatz Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 Flugplatz Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020 Flugplatz Allstedt, Foto: Martin Schramme, 2020

In den 1950er Jahren entstand für Militärflieger der sowjetischen Streitkräfte ein Flugplatz auf der Höhe der Allstedter Heide. In den 1970er Jahren erfolgte der Ausbau des Flugplatzes. Ab 1972 konnten so auch Mitglieder der sowjetischen Streitkräfte über Allstedt ein- und ausgeflogen werden. Dazu landeten und starteten Verkehrsflugzeuge der staatlichen Fluggesellschaft Aeroflot. Von 1992 bis 1994 wurde das Gelände von den Russen geräumt. 1995 begann die zivile Nutzung. Unweit des Aerodroms gab es einige Neubaublocks für die Soldaten vor Ort. Sie sind komplett abgerissen. An die Militärzeit erinnern nur noch einige Flugzeugbunker (Shelter). Inzwischen sind beachtliche Teile des ehemaligen Militärgeländes von Solarzellen überbaut.

Video von 1991 (youtube)

Beyernaumburg

Schloss, Burg und Schlosspark Beyernaumburg

Foto: Martin Schramme, 04.2011 Foto: Martin Schramme, 04.2011 Foto: Martin Schramme, 04.2011
Foto: Martin Schramme, 04.2011 Foto: Martin Schramme, 04.2011

Schloss, Burg und Schlosspark in Beyernaumburg sind ein stiller, versteckter Ort und ein echter Geheimtipp für romantisch veranlagte Menschen. Im Park befindet sich ein kleiner Waldfriedhof. Ein Grabstein ist den Bewohnern des Pflegeheimes gewidmet, das sich von 1945 bis 1959 im Schloss befand. Zur Erinnerung an 200 Heimatvertriebenen wurde der Stein Mitte der 1990er Jahre aufgestellt.
Vier kleine Grabplatten, davon eine mit Reichsadler, sowie ein großes Kreuz und eine weitere, sehr große, gusseiserne Grabplatte sind der Familie der ehemaligen Schlossherren gewidmet. Folgende Namen sind auf der großen Grabplatte zu finden: Friedrich von Bülow (16.06.1760 - 4.7.1831), Julius von Bülow (13.1.1795 - 24.7.1832), Clara von Bülow geborene von Nostitz und Jänkendorf (29.12.1799 - 11.2.1882), Georg von Bülow (25.7.1827 - 13.5.1896), Victor von Bülow (7.5.1823 - 7.12.1897), Clotilde von Bercken geborene von Bülow (26.9.1825 - 18.12.1903), August von Bercken (28.7.1826 - 9.4.1900). Die Namen befinden sich rechts und links eines erhabenen Kreuzes. Die eigentlichen Besonderheiten der Grabstätte sind erst auf den zweiten Blick zu sehen. Die Grabplatte ist etwa mittig quer geteilt, wobei die obere Hälfte die untere überlappt. Direkt oberhalb der Überlappung befinden sich ganz rechts und ganz links Ösen. Die Grabplatte ist also offenbar die Tür zu einer Gruft, die sich zumindest halbseitig öffnen ließ. Dass sich unterhalb des Grabhügels ein Hohlraum befindet, ist auch an einer gemauerten Entlüftung zu sehen, die sich am oberen Ende des Grabhügels befindet.
Die von Bülows sind Mecklenburgischer Uradel mit gleichnamigem Stammhause bei Rehna. Und das sind die Geschichten hinter den Namen auf der gusseisernen Grabplatte: Friedrich von Bülow hieß mit vollem Name Friedrich Gottlieb Julius von Friedrich von Bülow und besass eine unter seinen Zeitgeossen berühmte Sammlung von mehreren Zehntausend Büchern. Darunter stammten etliche aus der ehemaligen Benediktiner-Bibliothek vom Petersberg in Erfurt. Friedrich ließ auch einen ersten Schlosspark anlegen.
Julius von Bülow war der Sohn von Friedrich und der Mann von Clara von Bülow geborene von Nostitz und Jänkendorf. Mit ihr hatte er sechs Kinder - Hedwig, Victor, Richard, Clotilde, Georg und Julius -, von denen drei (Georg, Victor, Clotilde) in der selben Gruft liegen.
Vor der gusseisernen Grabplatte steht ein steinernes Kreuz, vor dem wiederum vier pultartige Grabplatten aufgestellt sind. Nur die rechte wird von einem Adler gekrönt. Auf ihr steht: "Die auf den Herren harren kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler - Georg Wilhelm von Bülow - geb. 8. Mai 1919 - gest. 21. Febr. 1935." Der Spruch ist ein Bibelspruch aus dem Jesaja 40:31. Auf den drei anderen Steinen steht von links beginnend: (1) Elisabeth von Bülow - geb. 17. Mai 1906 - gest. 10. Mai 1945 - Fürchte Dich nicht, ich bin bei Dir. (Elisabeth war die Tochter von Wilhelm Freiherr von Bülow und Marie Freifrau von Bülow und wurde in Beyernaumburg geboren.) (2) Hier ruht in Gott Wilhelm Freiherr von Bülow - geb. 8. August 1867 - gest. 12. Oktober 1935 - Du sollst Deinen Nächsten lieben als Dich selbst. (3) Hier ruht in Gott Marie Freifrau von Bülow geb. von Bülow - geb. 26. Dez. 1881 - gest. 18. März 1942 - Lobe den Herrn meine Seele. (Marie wurde in Schwerin geboren.)

Wie die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) 1994 berichtete, legte Ulrike von Heimendahl aus Krefeld am Grab ihres Großvaters (von Bülow) regelmäßig Blumen nieder.

Beyernaumburg war einst der Standort einer Burg, die nur noch in Teilen steht. Im Original erhalten ist allein der Burgfried. Die Burg war Reichsburg und Grafenburg. Von 1308 bis 1312 besetzten die letzten Tempelritter die Burg. Die von Bülows übernahmen die Burg 1653 von den Grafen von der Asseburg, die seit 1430 dort residiert und geherrscht hatten. Die Bülows bauten die Burg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts um. "Victor von Bülow erbaut 1865" steht an einem Flügel des Schlosses. Am Schloss befinden sich zwei Wappen, wobei an einem die Jahreszahl 1862 auftaucht. Das linke Wappen zeigt einen Pirol seitlich mit erhobenen Flügeln über einem Harnisch und einem Schild mit 14 Kugeln (4 4 3 2 1), das rechte hat auf dem Schild statt der Kugeln drei diagonale Bänder.
1945/46 wurden die Herren enteignet und flüchteten nach Westdeutschland. Schloss- und Burganlagen wurden erst als Pflegeheim, ab Ende der 1950er Jahre vollständig durch eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) genutzt. Nach dem Ende der DDR 1989/90 wurde das Schloss zeitweise als Seniorenheim genutzt. Inzwischen sind die Insassen in einen benachbarten Neubau umgezogen.

Bemerkenswert ist auch der Schlosspark. Eduard Petzold (1815-1891), ein Gartenkünstler und Schüler Fürst Pückler-Muskaus, hat ihn 1864 gestaltet. Die genannte Jahreszahl ist auch am Zugangstor zu finden. Er war unter anderem Garteninspektor in Muskau und Hofgärtner in Weimar.

Nienstedt

Schacht Nienstedt | Bernard-Koenen-Schacht II (Halde und Bergwerk, 1956-1990)

Foto: Martin Schramme | 04.2011
Förderturm und Halde
Foto: Martin Schramme | 04.2011 Foto: Martin Schramme | 04.2011 Foto: Martin Schramme | 04.2011
Weichwasser und Rohwasser
Foto: Martin Schramme | 04.2011 Foto: Martin Schramme | 04.2011

Der Bernhard-Koenen-Schacht II in Nienstedt wurde ab 1956 als Wetter-, Flucht und Förderschacht geteuft, 1961 in Betrieb genommen, 1964 mit dem Name Bernhard Koenen versehen und im Sommer 1990 stillgelegt. Ein Jahr später war auch im Schacht I in Niederröblingen Schluss. 1959 erfolgte der Durchbruch zum benachbarten Bernhard-Koenen-Schacht I. Erhalten sind bis heute Teile des 51 Meter hohen Förderturms und die rund 100 Meter hohe Abraumhalde (siehe Fotos).

Betriebe in der DDR
VEB Kupferkesselwerk Allstedt (KKW)
VEB Kupferwerk Allstedt
VEB Malzfabrik Allstedt (VEB Getränkekombinat Dessau)
VEB Metallwerke Allstedt, Fleckenweg 3 (Betrieb des VEB Kombinat NAGEMA Dresden)
Malzfabrik Allstedt Rudolph Grosse & Co. KG (gegr. 1885)

Wirtschaft in Allstedt vor 1945
Aktien-Bierbrauerei Allstedt
Allstedter Wochenblatt
Gewerkschaft Thüringen zu Allstedt (gegr. 1905)
Kupferkesselwerk Rudolph GmbH Allstedt (Werbung 1936: Rudolph Kessel, Deutsches Material, Deutsche Qualitätsarbeit)
Malzfabrik Allstedt Rudolph Grosse & Co. AG (gegr. 1885)
Metallwerke Rudolph AG Allstedt (Abteilung I: Dampfkessel- und Apparatebau, Abteilung II: Groß-Kochanlagen-Fabrikation, Abteilung III: Emaillierwerk)
Metallwerke B. Rudolph & Co. GmbH (größtes und ältestes Werk für kupferne Kessel aller Art und Dimensionen, Kupferschmiederei für Handel und Gewerbe, Spezialitäten: Kupferkessel für alle Zwecke, gusseiserne und schmiedeeiserne Kesselöfen, Kupferwaren aller Art, Apparatebauanstalt, Kochanlagen jeder Art und Größe für Fleischereien, Kantinen, Konservenfabriken etc., Kesselschmiede und autogene Schweißerei)
Steinmetzbetrieb Franz (seit 1934, Mamor, Naturstein, Granit)
Zuckerfabrik Allstedt (gegr. 1851)

Eintrag im Brockhaus 1894: bedeutende Landwirtschaft, Zuckerfabrik (1855 erbaut, 1940 stillgelegt), Malzfabrik (1885 gegr.), Aktien-Bierbrauerei Allstedt.

Quelle
picclick.de
wuerzburgwiki.de